Wien - Über die Aufteilung der nicht auf den amerikanischen BAWAG-Hauptaktionär Cerberus entfallenden Minderheitsanteile begehren jetzt auch bisherige Bank-Aufsichtsräte langsam Details. Ob diese in der heutigen Sitzung des BAWAG-Aufsichtsrats geliefert werden, war fraglich.

Bisher verlautete, dass Cerberus jedenfalls deutlich mehr als 75 Prozent des BAWAG-Kapitals halten werde und die restlichen Konsortialmitglieder - Wüstenrot, Generali, Österreichische Post sowie vier Industrielle - den Rest. Im Jänner, so war bisher zu hören, wollte man sich genau ausreden, wer wieviel nimmt.

Im heutigen Aufsichtsrat wird über Inhalte des Kaufvertrags mit den Amerikanern berichtet. Demnach auch über erste strategische Pläne. Das Konzept für die Bank gefalle, sagte ein Aufsichtsratsmitglied der APA, auch der Plan, die Bank in wenigen Jahren an die Börse zu führen, wo dann eine Sperrminorität für einen österreichischen Kernaktionärskreis möglich wäre. Wie aber der aktuelle österreichische Aktionärskreis in wenigen Monaten aussehen wird, "möchte man schon erfahren", hieß es vor Sitzungsbeginn von einem Teilnehmer.

ÖGB-Kredit

Die Bayern haben ihr Geld in ein paar Stunden am Konto: Am gestrigen Sonntag hat der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) mit einer ausländischen Bankengruppe eine Umschuldung (Überbrückungsfinanzierung) unterzeichnet, bestätigte der ÖGB am Montag der APA. Der Bayerischen Landesbank (BayernLB) zahlt der ÖGB somit den mehrfach gestundeten und zuletzt doch fällig gestellten 400-Millionen-Kredit aus dem Jahr 2004 zurück. Mit diesem damals mit BAWAG- und mittlerweile mit AVB-Aktien besicherten Kredit hatte der Gewerkschaftsbund das 46-prozentige BAWAG-Aktienpaket von den Bayern zurück gekauft.

Spekulationen um Nowotny

Unterdessen gibt es wieder Spekulationen um den amtierenden BAWAG-Generaldirektor Ewald Nowotny. Im Regierungsprogramm ist eine Neuordnung der Finanzmarktaufsicht (FMA) und Neuaufteilung der Agenden zwischen FMA und Notenbank angekündigt, wobei es auch wieder proporzkonforme personelle Weichenstellungen geben könnte. In Nebenabsprachen zum Regierungsprogramm sollen SPÖ und ÖVP die rot-schwarze Aufteilung bereits akkordiert haben. Nachdem das Finanzministerium "schwarz" wurde, soll die SPÖ nach bisherigen Spekulationen den nächsten Notenbank-Gouverneur bekommen. Der Vertrag des derzeitigen, konservativen, OeNB-Chefs, Klaus Liebscher, endet Ende August 2008. Ihm könnte laut "Standard" (Montagausgabe) Ewald Nowotny folgen. Der derzeitige BAWAG-Chef hätte zu diesem Zeitpunkt das erste Startjahr unter dem neuen Bankeigner Cerberus absolviert. Die ÖVP, so heißt es, würde den allseits beliebten und geschickt agierenden Sozialdemokraten als Notenbank-Chef akzeptieren.

Nowotny bekam von Cerberus bereits vorweg einen 5-Jahres-Vertrag als BAWAG-Chef angeboten. (APA)