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Die Hügel sind grün statt weiß, Edmund Stoiber wird bedrängt statt hofiert: Nichts ist heuer im Wildbad Kreuth, wie es in den vergangenen Jahren war.

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In der CSU wird der Ruf nach einem Ende der Führungskrise immer lauter: Die Landtagsabgeordneten machen immer mehr Druck auf Stoiber, endlich den Platz für einen Nachfolger zu räumen. Der bemühte sich verzweifelt, die Kritiker auf seine Seite zu ziehen.

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Wichtig oder unwichtig wird im idyllischen Wildbad Kreuth dieser Tage ganz einfach unterschieden: Treten eher unbekannte Abgeordnete vor die Tür jenes Sitzungssaales, in dem die Fraktion über Edmund Stoiber zu Gericht sitzt, dann stürzen sich nur 50 Journalisten auf sie. Kommen aber „wichtige“ Gesichter, dann sind es rund 100 Reporter.

Der wichtigste von allen ist natürlich nach wie vor Stoiber selbst. Als er kurz vor elf am Vormittag aus dem dunklen BMW steigt, wird er fast umgerissen. Doch das Interesse an ihm ist seiner Auskunftsfreude diametral entgegengesetzt. „Ich gehe jetzt zu meiner Fraktion“, bescheidet er knapp und verschwindet hurtig im Haus.

Dort soll an diesem Dienstag der Tag aller Tage Stoibers zelebriert werden. Man werde nicht eher auseinandergehen, bis klar sei, wann sich Stoiber zurückziehe und mit wem man denn nun in den Landtagswahlkampf 2008 gehen werde, heißt es kampfeslustig am Vormittag. Ein erstes kleines Signal hat Stoiber ja schon am Abend zuvor gesetzt. Er wolle 2008 gerne noch antreten, müsse das aber nicht; er sei da gänzlich frei, zitierten ihn Abgeordnete, als sie von der Sitzung berichteten. Und man könne den für November geplanten Wahlparteitag auf den September vorziehen.

Zur Erinnerung: Vorige Woche hatte Stoiber noch erklärt, er wolle überhaupt bis 2013 Ministerpräsident von Bayern bleiben, und verschärfte die Krise dadurch deutlich. Stoiber verschanzt sich den ganzen Nachmittag über im Haus, seine Kritiker hingegen sind auskunftsfreudiger. Er hoffe auf einen „geordneten Rückzug“, Stoiber müsse „in Würde gehen“ können, sagt etwa der Abgeordnete Herrmann Imhof. Er warnt auch vor „Solidarität um jeden Preis“.

Das würde Stoiber, der ohnehin keinen Rückhalt mehr in der Bevölkerung habe, vollends demontieren. Noch deutlicher ist Sebastian Freiherr von Rotenhan. „Wir wissen alle ganz genau, dass Edmund Stoiber nicht mehr zu halten ist“, erklärt er und gibt auch noch einen Tipp ab: „Wenn mich der Stoiber fragen würde, ich würde ihm den Beckstein als Nachfolger empfehlen.“ Dann nämlich hätte dieser „kollektive heuchlerische Eiertanz“ ein Ende. Doch es sind immer nur die Journalisten, die von Rotenhan befragen, niemals aber Stoiber.

Apropos Beckstein. Der bayerische Innenminister werde gleich mit dem Hubschrauber landen, heißt es plötzlich. Ein Irrtum. Auch Beckstein kommt mit dem Auto. „Sind Sie der nächste Ministerpräsident?“, wird er gefragt. Aber Beckstein gibt die Gebetsmühle und antwortet, was er immer sagt: Nie und nimmer werde er gegen Stoiber kandidieren. Außerdem betont der 63-Jährige noch, dass er selbst „ja leider nicht mehr ganz jung sei“.

Während Stoiber drinnen vor den Abgeordneten um sein politisches Überleben kämpft, verkündet Beckstein draußen: „Wir müssen sehen, das Durcheinander möglichst schnell zu beenden.“ Dieser Meinung ist auch Fraktionschef Joachim Herrmann. Stoiber habe mit seiner Äußerung, er müsse ja nicht unbedingt auch noch 2008 zur Wahl antreten, „die Tür einen Spalt breit“ geöffnet. Bleibt Stoiber? Wird der Parteitag vorgezogen? Auch Herrmann wird mit Fragen bestürmt, aber er kann und will am Nachmittag nur eines sagen: „Es geht nicht, dass wir darüber noch ein Dreivierteljahr reden.“ (Birgit Baumann aus Wildbad Kreuth/DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2007)