Salzburg - Rund 5.000 Besucher haben im Herbst 2006 im Halleiner Keltenmuseum die Ausstellung "Lebens(un)wert" zur NS-Euthanasie im Land Salzburg gesehen. Gestaltet wurde die Schau, die konkrete Lebensgeschichten von Salzburger Opfern aufarbeitet, von der "Laube sozial-psychiatrische Aktivitäten GmbH". In den kommenden Jahren soll die Ausstellung auch in den anderen Bezirken zu sehen sein, kündigte Laube-Geschäftsführer Alois Autischer-Norman am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Hallein an.

Insgesamt wurden rund 440 Salzburger Opfer der NS-Euthanasie, berichtete Walter Reschreiter, der bei "Laube" das Thema betreut. Das große Interesse an der Ausstellung, die sich vor allem mit den Geschichten von Opfern aus dem Tennengau befasste, hat sowohl die Organisatoren als auch den Leiter des Keltenmuseums, Kurt Zeller, überrascht und motiviert, diese Thematik weiter zu bearbeiten.

Neuer Ausstellungsort

Ab 22. Februar wird der Kulturverein Goldegg die Schau übernehmen. Es gibt in Goldegg einen konkreten lokalen Anknüpfungspunkt: Rund 100 Menschen, die in der "Versorgungsanstalt Schloss Schernberg" in Schwarzach im Pongau untergebracht waren, wurden im Rahmen der NS-Euthanasie abtransportiert, berichtete der Obmann des Goldegger Kulturvereins, Cyriak Schwaighofer. Er will auch einen Bogen zu aktuellen Diskussionen spannen: Bei der Eröffnung wird sich die Salzburger Gynäkologin Barbara Mair mit dem Thema "Lebenswert zwischen Behinderung und Entfaltung im biotechnologischen Zeitalter" befassen.

Sowohl Schulklassen als auch Familien von Opfern hätten großes Interesse an der Ausstellung gezeigt, berichtete Reschreiter. Seine Recherchen boten vielen Betroffenen erstmals die Gelegenheit, etwas über das Schicksal ihrer Verwandten zu erfahren. Er ortet eine große Bereitschaft, über die Ereignisse von damals zu sprechen und nannte den Fall von Maria Reschreiter aus Abtenau als Beispiel. Das drei Monate alte Baby kam in den "Spiegelgrund" in Wien, wo es an Lungenentzündung verstarb. Alle sechs Geschwister der kleinen Maria wollten nach so langer Zeit endlich konkrete Auskunft über das Schicksal ihrer Schwester, erzählte Reschreiter.

Neue Bereitschaft

Der Historiker hat schon vor 20 Jahren probiert, mit dem Thema an betroffene Familien heranzutreten und Schicksale aufzuarbeiten. Doch damals wäre er auf verschlossene Türen gestoßen. Heute sei das anders, die Gesprächsbereitschaft wäre mittlerweile sehr groß. Viele Familien wünschten sich auch einen Ort, wo sie ihrer der Euthanasie zum Opfer gefallenen Verwandten gedenken können. Autischer-Norman will sich auch darum bemühen, der Ausstellung einen dauerhaften Platz zu geben.

Die NS-Euthanasie ist für Zeller nur ein Beispiel dafür, wie sich sein Haus der Aufarbeitung der lokalen Zeitgeschichte widmet. Ein Themenfeld, zu dem derzeit Recherchen angestellt werden, ist die Entwicklung des Düsenjägers Messerschmidt F 262, die während des Zweiten Weltkriegs zum Teil in Hallein erfolgte. In einem riesigen unterirdischen Stollensystem hätte man unter strengster Geheimhaltung Startermotoren für das Flugzeug hergestellt. Historiker würden dieses Kapitel lokaler Geschichte nun aufarbeiten. Ob daraus eine Dokumentation oder eine Ausstellung werden wird, konnte Zeller noch nicht sagen. (APA)