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Fotos: APA/dpa
Paris - Etwa 40 Experten aus aller Welt beteiligen sich diese Woche in Paris noch bis Donnerstag an einem internationalen Kolloquium über Ursprünge und Gründe des anhaltenden Erfolgs der literarischen Gestalt von James Bond. Bei der von der "Bibliotheque nationale de France" (BnF), den Universitäten von Versailles und Nanterre sowie dem "Conservatoire europeen d'écriture audiovisuelle" (CEEA) organisierten Seminar sollen insbesondere die historischen, ästhetischen, anthropologischen, politischen und psychoanalytischen Gründe der Erfolgsstory aufgedeckt werden.

Nach den Angaben verkauften sich die Bond-Bücher seit der Veröffentlichung des ersten Bandes "Casino royale" im Jahr 1953 in etwa 200 Millionen Exemplaren. Auf die ersten zwölf Romane des Bond-Vaters Ian Fleming folgten weitere 30 Bücher von den Nachfolgeautoren Robert Markham, Christopher Wood, John Gardner und Raymond Benson. Die 21 Kinofilme über den britischen Geheimagenten spielten seit 1962 gemeinsam mehr als vier Milliarden US-Dollar (3,09 Mrd. Euro) ein. "Es handelt sich um den größten Kinoerfolg aller Zeiten", betonte der französische Bond-Spezialist Frédéric Gimello-Mesplomb.

Ein Loner im Luxus ...

Michael Baumgartner von der Universität Vancouver (Kanada) erklärte die Faszination für Bond damit, dass es sich um einen Mann "ohne Heim, ohne Geschichte, ohne soziale Beziehungen, ohne Verwandte, ohne dauerhafte Liebesbeziehungen" handelt. Überdies sei er ein "hervorragender Werber für Luxusprodukte" wie Sportwagen, Uhren, Alkohol- und Zigarettenmarken, was wesentlich zur Finanzierung der Filmproduktion beitrage.

Mathieu Letourneux erklärte die anhaltende Publikumsbegeisterung auch damit, dass die Bond-Filme von "aktuellen und realistischen Besorgnissen" der Menschheit ausgehen, dann nach und nach allerdings "vollkommen in eine Phantasiewelt münden, wodurch die Abenteuer völlig exotisch und harmlos werden". Bond verkörpert laut Baumgartner "die zweigeteilte Welt des Kalten Kriegs". "Die Gesellschaft ist von der Ausrottung bedroht, wenn der Agent 007 nicht einschreitet", analysierte Baumgartner.

... mit der Lizenz zum Töten

James Bond entstand zunächst als Romanfigur, kam dann 1954 ins Fernsehen und wurde 1957 zu einer Comic-Figur in der Tageszeitung "Daily Express". Nach seinem Erscheinen in den Kinosälen 1959 machte der Geheimagent noch eine weitere Entwicklung in ein anderes Medium durch, als er später Gegenstand von Videospielen wurde. Der jüngste Bond-Film "Casino Royale" mit Daniel Craig in der Hauptrolle wurde bereits zum größten Kassenschlager in der Geschichte der Serie. Der Mitte November angelaufene Film spielte bis Jahresende weltweit bereits mehr als 454 Millionen US-Dollar (rund 345 Millionen Euro) ein. (APA)