Linz - Eigentlich war man vonseiten der Diözese Linz bemüht, zumindest offiziell den jüngsten Aussagen des Linzer Priesters Andreas Golatz möglichst wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Am Mittwoch dürfte aber der Druck konservativer Kirchenkreise, die offen die Suspendierung von Golatz fordern, auf den Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz zu groß geworden sein, und man sah sich gezwungen, auch öffentlich Stellung zu beziehen.

Golatz, dessen Priesterweihe im Juni aufgrund kirchenkritischer Aussagen verschoben wurde, hatte in einem Standard-Interview (Samstag-Ausgabe) unter anderem die Diözesen zu einer "Art Rebellion gegen Rom" aufgerufen.

Gestern wandte sich dann Bischof Schwarz via ORF-Radio Oberösterreich und Life Radio an seine Schäfchen. "Ich selbst bin enttäuscht darüber, dass er sich nicht an die gemeinsamen Vereinbarungen gehalten hat. Die Aussagen von Andreas Golatz im Interview selbst sind widersprüchlich und zeigen eine gewisse Unsicherheit", so Schwarz.

Die Forderung nach einer sofortigen Suspendierung, die jetzt von "einzelnen Katholiken" erhoben wird, verlange aber "eine genaue kirchenrechtliche Prüfung unter Einbeziehung aller Fakten rund um seine Person". Das umfasse "mehr als zum Teil widersprüchliche Aussagen in einem Zeitungsinterview", betonte Schwarz.

Hören statt aufmucken

Generalvikar Severin Lederhilger, ergänzte in einem Kirchenzeitung-Kommentar, dass die angesprochenen Probleme tatsächlich eine Herausforderung für die Kirche darstellen würden, doch finde man Lösungen gewiss nicht im Aufruf zu Streit und "einer Art Rebellion", sondern allein im aufmerksamen und respektvollen Hinhören aufeinander. Erich Leitenberger, Sprecher von Kardinal Christoph Schönborn, stößt sich vor allem am Aufruf "gemeinsam gegen Rom". Da habe einer "im Studium nicht aufgepasst", denn als Voll-Theologe sage man so etwas nicht. "Gott sei Dank sind wir in der Kirche, denn in der Wirtschaft wäre er schon weg", so Leitenberger. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2007)