Bild nicht mehr verfügbar.

Wem die Stunde schlägt: In diesem Fall uns allen. Wie lange es nach derzeitigen Prognosen noch dauert, symbolisiert die aktuelle Neu-Justierung der "Doomsday Clock".

Foto: Getty Images/Bruno Vincent
London - Die symbolische Weltuhr beziehungsweise Weltuntergangsuhr, die zeigen soll, wie weit die Welt von einem Atomkrieg entfernt ist, ist am Mittwoch um zwei Minuten vorgestellt worden. Die Uhr zeigt jetzt nicht mehr sieben Minuten, sondern nur noch fünf Minuten vor zwölf - und zwar zwölf Uhr Mitternacht. Damit ist die Uhr so weit auf die 12 vorgerückt wie seit dem Ende des Kalten Krieges gegen Ende der 80er Jahre nicht mehr. Die Zeitschrift "Bulletin of the Atomic Scientists" (BAS), die für die Uhr verantwortlich ist, begründete dies in London unter anderem mit den Atomprogrammen in Nordkorea und den Iran.

Die so genannte Doomsday Clock ("Uhr des Jüngsten Tages") wurde bereits 1947 gestartet, zwei Jahre nach dem Abwurf der US-Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Damals stand sie auf sieben Minuten vor zwölf. Im Lauf der Jahrzehnte wurde sie von atomkritischen Wissenschaftlern dann immer wieder der Weltlage angepasst. Am weitesten rückte der Zeiger 1953 - nach den Wasserstoffbombentests der USA und der UdSSR - vor: Die Uhr zeigte zwei vor zwölf. Am weitesten davon entfernt waren die Zeiger von 1991 bis 1995, als es 17 Minuten vor zwölf war.

Die Begründung

Entschieden darüber wird von einem Wissenschaftler-Komitee, an dem auch 18 Nobelpreisträger beteiligt sind. "Wir stehen kurz vor einem zweiten Nuklear-Zeitalter", hieß es in einer Erklärung. "Der jüngste Atomwaffentest Nordkoreas, die Atom-Ambitionen des Iran, eine neue Betonung der militärischen Notwendigkeit von Nuklearwaffen, der gescheiterte Versuch, Nuklearmaterial angemessen zu sichern und die anhaltende Präsenz von rund 26.000 Nuklearwaffen in den USA und Russland sind symptomatisch für das Versagen, die Probleme der zerstörerischsten Technologie der Welt zu lösen."

Als Wissenschaftler sähen sie die Gefahren durch Atomwaffen sowie die drohende Klimakatastrophe, erklärte der britische Astrophysiker Stephen Hawking. "Als Erdenbürger haben wir die Pflicht, die Öffentlichkeit zu warnen. Die Doomsday-Uhr berücksichtigt bei der Einschätzung der aktuellen Gefährdung auch der Klimawandel, wie "Bulletin"-Redakteur Mark Strauss erklärte.

Nicht nur nukleare Bedrohung

Das "Bulletin of Atomic Scientists" wurde 1945 angesichts der Sorge vor einem möglichen Nuklearkrieg als Informationsbrief für Atomphysiker gegründet und entwickelte sich zu einer Organisation, die ihren Blick allgemein auf Bedrohungen für das Überleben der Menschheit gelenkt hat. Die Gefahren des Klimawandels seien fast so schlimm wie die Bedrohung durch Atomwaffen, betonte die Gruppe. (APA/dpa/AP/red)