Wien - Die israelische Friedensaktivistin und Trägerin des Alternativ-Nobelpreises, Felicia Langer (76), hat vor einer baldigen neuen bewaffneten Konfrontation im Nahen Osten gewarnt. Der Libanonkrieg habe die Region weiter destabilisiert, sagte Lange in einem Interview mit der Tageszeitung "Kurier" (Donnerstagsausgabe) "Das Traurige: In Israel wird nicht der Krieg, sondern die Kriegsführung kritisiert. Angeblich ist ein neuer Feldzug in Vorbereitung."

Langer hielt sich auf Einladung der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen in Wien auf und sollte Mittwoch Abend bei einem Vortrag sprechen. Gegenüber dem "Kurier" beklagte die nach Deutschland ausgewanderte Juristin die Situation in den Palästinensergebieten. "Der Gazastreifen ist ein riesiges Gefängnis, zu dem nur Israel den Schlüssel hat. Und das Westjordanland ist durch die israelischen Siedlungen und die Apartheid-Mauer so zerstückelt, dass daraus nie ein lebensfähiger Staat entstehen kann. Schafft man so ein 'Bantustan', ist das die Basis für einen neuen Krieg."

"Missbrauch der Geschichte"

Die 40-jährige israelische Besatzung sei "die Ur-Gewalt in Nahost, die Gegengewalt auslöst", so Langer. Israels Verweise auf den Holocaust nannte sie einen "Missbrauch der Geschichte". "Man benützt die Toten der Nazi-Diktatur, um die eigene Politik der Unterdrückung zu rechtfertigen. Jede Kritik wird als Antisemitismus diffamiert. Die Folge: Die Welt schweigt. Das sage ich als Jüdin, die vor den Nazis aus Polen flüchten musste, und mein Mann ist der einzige Überlebende seiner Familie."

Zur Zukunft der Roadmap meinte Langer, dieser Friedensplan sei "tot". "Man müsste einen Neustart für Verhandlungen über den endgültigen Status beginnen. Israel muss alle Siedlungen räumen und sich auf die Grenzen von 1967 zurückziehen. In dieser völkerrechtlich akzeptablen Variante würden sich die Palästinenser ohnehin mit nur 22 Prozent des historischen Palästina begnügen." Zudem forderte Langer, dass Israel mit der "demokratisch gewählten" Hamas reden müsse. (APA)