Wien - Der ORF-Journalist Josef Broukal (52) hat Donnerstag seine Berufung zum Regierungsbeauftragten für das Jahr 2000 "mit großem Bedauern" zurückgelegt. In einem Fax an das Bundeskanzleramt hielt Broukal fest, er habe "erkennen müssen, daß maßgebliche Politiker insbesondere aus den Reihen der anderen Regierungspartei diese meine Tätigkeit in ein parteipolitisches Umfeld stellen und damit die Arbeitsgrundlage für meine Tätigkeit als ORF-Journalist in Frage stellen." Broukal verwies ferner darauf, daß "unbestrittene Glaubwürdigkeit, Objektivität und Unabhängigkeit aber Bestandteil meiner Arbeit im ORF sein und bleiben müssen". Weiters hielt Broukal fest, daß der ORF seine Mitarbeit an der Jahr 2000-Kampagne geprüft und mit seiner Arbeit im ORF "vereinbar befunden und genehmigt hat". Der ihm drohende berufliche Schaden stehe in keinem Verhältnis zu dem möglichen Gewinn für die Sache". "Verdrehung der Wahrheit" Broukal bedauerte, daß von verschiedenen Seiten die Funktion eines Regierungsbeauftragten absichtlich mißverstanden worden sei. Es sei sowohl seitens der SPÖ als auch der ÖVP zu einer "bewußten Verdrehung der Wahrheit" gekommen. Er habe Bundeskanzler Viktor Klima vorgeschlagen, an seiner Stelle dem früheren ÖVP-Abgeordneten und "Hochrechner der Nation", Gerhart Bruckmann (67), die Funktion des "Jahr-2000-Beauftragten" anzubieten. Mit seinem Vorschlag Bruckmanns glaubt Broukal, auch jene ÖVP-Kuratoren zufriedenzustellen, die in den letzten Tagen trotz der Zustimmung der ÖVP in der Regierung Kritik an seiner Bestellung geübt hätten. Konkret hatten Helmut Krieghofer (Tirol) sowie Helmut Kukacka (Oberösterreich) und Ernst Strasser (Niederösterreich) Befürchtungen hinsichtlich der Objektivität Broukals bei künftigen Fernsehdiskussionen geäußert. Zu der Kritik von FPÖ-Generalsekretär Peter Westenthaler an seiner Bestellung meinte Broukal, er habe längst aufgehört, den Versuch zu unternehmen, die Ausführungen Westenthalers verstehen zu wollen. Er nehme daher "Westenthaler zur Kenntnis wie das Wetter". Seine Absage begründete Broukal auch damit, daß er auf sein Ansehen beim Publikum Rücksicht nehmen müsse. Er sei auch nicht bereit, ständige Versuche hinzunehmen, seine journalistische Arbeit beim ORF "scheibchenweise" einzuengen. Broukal, dessen Nominierung zum Jahr-2000-Beauftragten am 20. April bekannt geworden war, hätte "sehr gerne mitgeholfen, Firmen bei der Umstellung auf das Jahr 2000 vor Schaden zu bewahren und damit eine etwaige Gefährdung von Arbeitsplätzen zu verhindern". (APA)