VIVA VOCE Get Yr Blood Sucked Out (Edel) Hinter dem Projektnamen Viva Voce steckt das Ehepaar Kevin und Anita Robinson, das auf seinem dritten Album die Kunst des psychedelischen, stellenweise ein wenig trägen Folkrocks weiter perfektionieren. Die Resultate des Pärchens aus den US-Südstaaten, das von bezahlten Knechten unterstützt wird, erinnern bei dieser Ausrichtung an übermächtige Vorbilder wie die diesbezüglich unschlagbaren Opal ( Happy Nightmare, Baby !) und auch die kathedralischen Stücke von Spiritualized kommen einem in den Sinn. Doch auch bei angezogenem Tempo erzielt Viva Voce mehr als nur Achtungserfolge, und wer sich einmal gefragt hat, wie Built To Spill mit akustischer Gitarre klingen würden, findet hier eine mögliche Antwort. 4HERO
Play With The Changes
(Soul Seduction)
4Hero, die in den 1990ern Jungle und Drum'n'Bass mit der dringend notwendigen menschlichen Wärme ausgestattet hatten, indem sie ausgesuchte Soulsamples in ihre Tracks mixten, gehen diesen Weg immer noch konsequent weiter. Auch wenn man mit derlei Sounds, die ja bald von jeder Haarspray- und Kleinwagenwerbung vereinnahmt wurden, längst nicht mehr dort ist, wo gerade vorne sein soll, klingen 4Hero heute immerhin zeitlos - was auf eine gewisse Überlebensfähigkeit hinweist. Play With The Changes , ein Titel, den man durchaus programmatisch lesen kann, sucht und findet sein Heil in einem modernen Soul, der sich mit erlesenen Gastsängerinnen wie Ursula Rucker oder Carina Andersson selbst kleine Sahnehäubchen besorgt. Dazwischen blitzen immer noch ein paar schnelle Trommeln auf, die von Gevatter-Bär-Bässen beschleunigt werden, ansonsten ist man längst im Klassikfach angelangt - clubtechnisch betrachtet. JULIE DOIRON Woke Myself Up (Jaguar/Trost) So kann's gehen: Gut zehn Jahre nachdem Julie Doiron nach dem Split ihrer Band Eric's Trip eine passable Solokarriere eingeschlagen hat, findet sie sich mit den Resten dieser ersten kanadischen Band die je beim Seattle-Label Sub Pop untergekommen war, als Begleitformation wieder. Formal bleibt Doiron davon unbeeindruckt und formuliert weiterhin einen intim produzierten Folkrock, der im Midtempo ebenso überzeugt wie in spartanischer instrumentierten Balladen, in denen die Rhythmusfelle dann eher gewischt als geschlagen werden. Traditioneller orientiert als aktuell angesagte Kollegen wie Devendra Banhart oder Joanna Newsom kommt Woke Myself Up bestens abgesichert und an keiner Stelle elfisch oder ätherisch daher. Danke dafür. ARAB STRAP Ten Years Of Tears
(Chemikal Underground) Man kann davon ausgehen, dass das Duo Arab Strap - benannt nach einem Erektionsgeschirr für kurzatmige Herren - einige der in den letzten zehn Jahren verschüttete Tränen auch vor Lachen vergossen hat. Die Schotten, die so aussehen wie hier zu Lande beim Branntweiner hauptgemeldete männliche Singlehaushalte, widmen sich mit großer Hartnäckigkeit den Schattenseiten des (eigenen) Daseins: Saufen, Kater, Saufen, Frauen, noch mehr Gluck-Gluck - und unhöfliche Wörter sagen. Das wird mit einem stinkigen Mix aus schwarzem Humor, Misanthropie und Defätismus in wider Erwarten trotzdem erbauliche Popsongs überführt, die man an guten Tagen sogar im heimischen Radio hören kann. Weil das natürlich nicht reicht und eine Dekade Bandbestehen gewürdigt gehört, versammelt man hier Raritäten, B-Seiten und Livestücke. Gut und böse. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.1.2007)