Wien/München - Bei der Bayerischen Landesbank (BayernLB) stieg am Donnerstag der Erklärungsbedarf zu möglichen Verstrickungen in die Karibik-Vergangenheit der BAWAG. Die einstige Münchener BAWAG-Mitaktionärin habe über eine im Auftrag der BAWAG Ende der 90er Jahre gegründete geheime Stiftung ("Datched") 150 Mio. DM (heute 76,7 Mio. Euro) erhalten, schreibt das Magazin "Format" in seiner neuesten Ausgabe. Die mit der Aufarbeitung des BAWAG-Skandals befasste Staatsanwaltschaft soll sich bereits dafür interessieren: Die neue "Datched"-Connection der Bayern liefere dem Wiener Staatsanwalt Georg Krakow einen besonderen Grund, um die früheren BayernLB-Vorstände Alfred Lehner und Peter Kahn einzuvernehmen, so das Magazin.

Beide hätten nicht nur private Kontakte zum einstigen BAWAG-Partner Wolfgang Flöttl gepflegt, sondern saßen auch über viele Jahre im Aufsichtsrat der Noch-Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. "Datched" gilt dem Bericht nach als Vehikel zur Vertuschung von Karibik-Verlusten der BAWAG.

Keine Stellungnahme

Bei der Bayerischen Landesbank war auf mehrfache Anfrage der APA am Donnerstag bis kurz nach 15 Uhr keine inhaltliche Stellungnahme zu Geschäftsverbindungen mit Datched erhältlich, weil das Institut dabei sei, den Sachverhalt zuerst intern zu klären, wie ein Sprecher sagte. "Wir wühlen noch in den Akten, um herauszufinden, was der Hintergrund solcher Geschäfte gewesen sein könnte", so Bank-Sprecher Peter Kulmburg am Donnerstag Nachmittag zur APA.

Man müsse erst den Sachverhalt klären, hieß es schon zu Mittag auf Anfrage. "Es kann sein, dass wir Handelsgeschäfte gemacht haben", so Kulmburg. Aber man müsse erst in den Unterlagen nachsehen, man habe die Mitarbeiter deswegen schon rebellisch gemacht. Erschwert werde die Suche dadurch, dass in bereits gelöschte Daten hineingegangen werden müsse. "Das wird noch dauern", so der Sprecher.

Zuvor hatten die Bayern am Vormittag eine von Hannes Androsch vermutete ehemalige Beteiligung an Refco bestritten. Man sei zu keinem Zeitpunkt an dem US-Broker Refco beteiligt gewesen, weder direkt noch treuhändisch, schrieb die BayernLB in einer offiziellen Stellungnahme an die APA. Weil von Androsch - einem künftigen BAWAG-Kleinaktionär - als "Vermutung" geäußert, sieht man in München auch keinen Anhaltspunkt, dagegen rechtlich vorzugehen. Die BayernLB hatte Androsch wegen seiner vorjährigen Aussagen, die Bank hätte "Dreck am Stecken", schon einmal mit Klage gedroht.

Datched Limited

Bei der geheimen BAWAG-Stiftung, über die die Wiener Bank 150 Mio. DM an die BayernLB überwiesen haben soll, handelt es sich den Magazininformationen nach um die Datched Limited (in früheren Medienquellen lautete die Schreibweise auch auf Datchet). Die Geldflüsse würden in der von "Format" zitierten "Bilanz per 31. Dezember 1999 der Datched Ltd" dokumentiert.

Der seinerzeitige BAWAG-Chef Helmut Elsner habe zur Vertuschung gigantischer Verluste aus Karibikgeschäften mit dem Investmentbanker Wolfgang Flöttl die Datched Ende der 90er Jahre gründen lassen. In der Folge seien mehr als 200 Mio. Euro in Form von BAWAG-Krediten in die Stiftungskassen geflossen. Geprüft wurden die Datched-Bilanzen von der TTA Trevisa Treuhand Anastalt in Balzers, Liechtenstein.

Für Staatsanwalt Krakow sei die Datched Limited jedenfalls eine zentrale Drehscheibe bei der Vertuschung der Karibikverluste, schreibt "Format". So seien etwa allein im Jahr 1999 rund 50 Mio. DM in Form eines Kredits an die Glen Star Foundation geflossen. Mehr als 100 Mio. Euro BAWAG-Vermögen sollen gemäß Notenbankprüfberichten über diese Liechtenstein'sche Stiftung in den Sand gesetzt worden sein.

Drei Einträge

Konkret fänden sich in dem von der Liechtenstein'schen TTA Trevisa Treuhand Anstalt testierten Jahresabschluss unter dem Titel "BALABA, München" drei Einträge auf der Aktivseite: Ein Genussschein im Wert von 75 Mio. D-Mark und zwei Schuldscheindarlehen über 25 bzw. 50 Mio. D-Mark. In allen drei Fällen seien die Transfers von Elsner abgesegnet worden. Das Magazin berichtet von Insiderschätzungen, wonach es von den über 70 BAWAG-Stiftungen weitere Geldflüsse nach München gegeben haben könnte.

Das Magazin "News" hatte schon im Juni 2006 unter Berufung auf Auszüge eines ersten Nationalbank-Prüfberichts zum BAWAG-Skandal über die Datched(Datchet)-Stiftung berichtet. Demzufolge seien Eigentümer dieser "irischen Projektgesellschaft mit Sitz in Liechtenstein" über die Trevisa Treuhand Kuno Frick und Yvonne Nägele gewesen. Die Datchet war von "News" im Juni gemeinsam mit der BAWAG Austost im Zusammenhang mit von Karibik-Firmen emittierten "vermutlich wertlosen" Flöttl-Bonds in Zusammenhang gebracht worden. (APA)