Wien - "Der Zuwachs bei den Lehrstellen ist viel zu gering", sagt Christoph Klein, Leiter des Arbeiterkammer-Bereichs Soziales, zur Lehrlingsbilanz der Wirtschaftskammer für 2006: Von den insgesamt 3.510 zusätzlichen Lehrlingen sind nur 772 im ersten Lehrjahr. "Gleichzeitig brauchten Ende Dezember über 18.000 Jugendliche eine Lehrstelle im Betrieb, da ist der Zuwachs bei den Lehrstellen nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Klein. Als "nicht akzeptabel" kritisiert er vor allem die "anscheinend hohen Mitnahmeeffekte" beim Blum-Bonus für zusätzliche Lehrstellen: "12.000 Förderfälle im Jahr 2006 für effektiv knapp über 3.500 Lehrstellen mehr zeigen, dass der Blum-Bonus in Richtung tatsächlicher Schaffung neuer Lehrplätze reformiert werden muss, und zwar für neue Lehrplätze in Zukunftsberufen mit echten Arbeitsmarktchancen." Dringend nötig sei die laut Regierungsprogramm geplante Einrichtung überbetrieblicher Lehrwerkstätten und praxisorientierter Schulen, die jedem Jugendlichen Ausbildung bis zum Abschluss garantieren. Nur unter dieser Voraussetzung dürfe es leichtere Kündigung von Lehrlingen geben.

Leichtere Kündigung

"Die leichtere Kündigung von Lehrlingen kann nicht der erste Schritt sein, damit es mehr Lehrstellen im Betrieb gibt", sagt Klein. "Erst wenn einem gekündigten Jugendlichen die Fortsetzung seiner bisherigen Ausbildung in überbetrieblichen Einrichtungen bis zum Lehrabschluss garantiert ist, kann über die Umsetzung der Kündigungsmöglichkeit gesprochen werden." Begleitend erforderlich seien überdies wirksame Maßnahmen gegen den Missbrauch von Förderungen: Es darf keine Betriebe geben, die Lehrlinge im ersten Lehrjahr mit relativ niedriger Lehrlingsentschädigung und hohen Förderungen als billige Hilfsarbeiter missbrauchen, um sie dann mit Ende des ersten Lehrjahres durch Kündigung gegen den nächsten Lehrling auszutauschen. Klein: "Es muss daher sichergestellt werden, dass es eine Kündigung nur bei einer echten Unzumutbarkeit der Fortsetzung des Lehrverhältnisses gibt."

Arbeitsministerium stellt sich hinter Blum-Bonus

Die neue Staatssekretärin für Arbeit, Christine Marek (ÖVP), hat den von der Arbeiterkammer (AK) in den Raum gestellten Mitnahmeeffekt beim so genannten Blum-Bonus als falsch zurückgewiesen erklärt, dass vor der Einführung dieser Förderung die Zahl der Lehrstellen gesunken sei. Dieses Minus werde durch den Blum-Bonus kompensiert. Von der AK angestellte Berechnungen würden diesen Rückgang nicht in die Rechnung mit einbeziehen, so Marek.

Marek ortete "Abfederungseffekt", der nicht klein geredet werden dürfe. Das Instrument sei über alle Parteigrenzen hinweg anerkannt. (APA/red)