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Schnellkäferlarven richten vor allem an Mais, Kartoffeln und Gemüse immer wieder erheblichen Schaden an.

Foto: APA/dpa/Patrick Pleul
Innsbruck/Wien - Die bisher durchwegs als Schädlinge verschrienen Drahtwürmer - Larven von Schnellkäfern - sind laut einer Studie des Instituts für Ökologie der Universität Innsbruck deutlich besser als ihr Ruf. Durch eine neue Untersuchungsmethode fanden die Wissenschafter um Michael Traugott heraus, dass lange nicht alle Arten tatsächlich Kulturpflanzen schädigen. Durch gezieltes Management lassen sich die unerwünschten Tiere ohne den Einsatz von Pestiziden unterdrücken. Die Studie wurde vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützt.

Vor allem an Mais, Kartoffeln und Gemüse richten Schnellkäferlarven immer wieder erheblichen Schaden an. "In Österreich gibt es rund 20 Arten, die in landwirtschaftlich genutzten Böden zu finden sind, zehn davon sind häufig anzutreffen", erklärte dazu der Zoologe. Nachdem die Larven im Gegensatz zu den erwachsenen Käfern in der Erde leben, waren bisher wenig Details - etwa über die Nahrungspräferenzen - bekannt. Sie galten generell als Schädlinge und waren in der Landwirtschaft gefürchtet.

Analyse

Die Innsbrucker Forscher nutzten nun die Analyse stabiler Isotope (ASI), um mehr über die verborgene Lebensweise der Drahtwürmer zu erfahren. Dabei werden sowohl Pflanzen als auch Tiere vor allem auf Isotope von Kohlenstoff und Stickstoff untersucht. Die Analyse ermöglicht Rückschlüsse, ob sich eine bestimmte Käferlarve von Pflanzen ernährt und welche sie dabei bevorzugt. Über den Kohlenstoff lässt sich etwa bestimmen, ob das Tier hauptsächlich Mais oder doch Unkräuter frisst.

Um die Larven zu finden, müssen die Wissenschafter nicht im Boden wühlen. Sie bestimmen einfach die Isotopenverhältnisse in den Hinterflügeln der erwachsenen Schnellkäfer. Auch das spiegelt nachweislich die Nahrungswahl der Larven wider.

Alternativen anbieten

Für eine sehr häufige Drahtwurm-Art - Hemicrepidius niger - konnte Traugott mittlerweile feststellen, dass sie sich nicht von Pflanzen ernährt und somit auch nicht als Schädling anzusehen ist. Eine andere Gruppe, Agriotes-Arten oder Saatschnellkäfer, ernähren sich laut der Analyse zu einem guten Teil von Unkräutern. "Somit ist es möglich, durch gezielt gesetzte Alternativ-Pflanzen die Tiere gleichsam von den Kultur-Pflanzen wegzulocken", erklärte der Wissenschafter.

Solche Maßnahmen seien vor allem im biologischen Landbau, wo keine Pestizide eingesetzt werden, nützlich. In einem weiteren Forschungsprojekt sollen nun gezielte, konkrete Regulationsmöglichkeiten ausgearbeitet werden.

Überraschung

Eine weitere, überraschende Erkenntnis der Untersuchungen war, dass es offenbar auch innerhalb der Käferarten unterschiedliche Ernährungsvorlieben gibt. So fanden sie eine Art, bei der die Larven zu 60 Prozent Mischkost bevorzugten, ein kleinerer Teil ernährte sich hauptsächlich von Mais, ein weiterer von Unkräutern. Warum eine einzige Art derart unterschiedliche Präferenzen entwickelt, ist noch unklar. (APA)