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"Jemand muss den Beckstein stoppen!", krächzt Edmund Stoiber. Doch der lässt sich nicht aufhalten. Er redet, gestikuliert, zieht über Asylanten, Terroristen, Kriminelle vom Leder. Stoibers Unterläufel telefonieren, geben Zeichen. Nichts nützt. Bayerns "Schwarzer Sheriff" ist nicht zu bremsen. Stoiber schiebt sein Kinn vor, wippt hin und her, grinst Angela Merkel verlegen an. "Angie" und er müssen minutenlang warten, bis Günther Beckstein auf dem CSU-Wahlparteitag in Nürnberg das Seine gesagt hat.

Das war im September 2005. Die Union wähnte sich als sichere Wahlsiegerin. Edmund Stoiber sollte als Superwirtschaftsminister nach Berlin gehen. Und Beckstein kämpfte schon damals machtbewusst um die Regentschaft in Bayern. Es kam - vorerst - anders. Die Wahl ging unentschieden aus. Stoiber blieb in München und gab sich für die politische Demontage frei. Nur Günther Beckstein, der seine Ambitionen auf das bayerische Ministerpräsidentenamt noch vor drei Wochen als "abgehakt", bezeichnet hat, scheint nun doch noch am Ziel angelangt zu sein.

Der 63-jährige Franke hat lang auf diesen Aufstieg hingearbeitet. Zuletzt 13 Jahre lang im bayerischen Innenministerium, in dem der Rechtsanwalt stets den krachledernen Konservativen gab. Beckstein rügte unter anderem die Österreicher nach deren EU-Beitritt, weil sie angeblich ihre Grenzen zu schleißig bewachten. Er trat gegen "Scheinasylanten" auf und für Kruzifixe in Schulklassen ein. Die Debatten um das Kopftuchverbot, nicht integrationswillige Ausländer, den großen Lauschangriff, Terroristendateien aber auch die Bekämpfung des Rechtsextremismus verschafften Beckstein das Profil eines strammen Scharfmachers und gnadenlosen Law-and-Order-Mannes. Die bayerischen Grünen hielten ihm auf einem Wahlplakat einmal sogar vor: "Beckstein würde sogar Jesus ausweisen."

Irritieren - "Bin lieber ein Hardliner für Recht und Ordnung als ein Weichei für Unrecht und Unordnung" - ließ sich sich der Hardliner davon nicht. Genauso wenig wie von den Prophezeiungen, ein in der Kirche sehr aktiver evangelischer Christ wie er könne im kreuzkatholischen Bayern nie und nimmer Ministerpräsident werden. Obwohl, wie er selbst sagt, seine Konfession in seiner Karriere "ein echtes Hindernis" gewesen sei.

Privat gilt Beckstein als nachdenklich und umgänglich. Als Mann mit hintersinnigem Humor, der bei aller Bärbeißigkeit durchaus zwischen öffentlicher und privater Person zu unterscheiden weiß. So mag es sich auch erklären, dass selbst die grüne Parteichefin Claudia Roth einmal wissen ließ, dass sie nichts "über meinen Günther Beckstein kommen" lasse.

Beckstein ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2007)