Rom - Karol Wojtyla ist offenbar schon seit 1949 von der polnischen Polizei ausspioniert worden. Der Name des späteren Papstes Johannes Paul II. wurde erstmals mit dem falsch geschriebenen Familiennamen Wojdyla in die Akten der polnischen Geheimdienste eingetragen, berichtet das italienische Nachrichtenmagazin "L'Espresso" in seiner aktuellen Ausgabe. In den folgenden 40 Jahren wurde ein enges Spionagenetz um den Priester und späteren Erzbischof von Krakau geknüpft, dessen Leben Tag und Nacht beobachtet wurde.

"In das enge Netz waren Dutzende von Geheimagenten, Priestern, Journalisten, Intellektuelle, Arbeiter, Angestellte, Sekretäre, Verwalter, Bekannte, Nachbarn und sogar Freunde verwickelt, die Karol Wojtyla nach Italien mitgenommen hatte", berichtete das italienische Nachrichtenmagazin, das im polnischen Institut für das Nationale Gedenken (IPN) ein Dossier mit 90 Kilometern Papier über Wojtyla entdeckt hat. Aus demselben Institut stammen die Dossiers, die vor wenigen Wochen den neu ernannten Warschauer Erzbischof Stanislaw Wielgus zum Rücktritt gezwungen hatten.

In den Dossiers wurden Informationen über die täglichen Angewohnheiten Wojtylas, über seine Gesundheit und über seine Freunde gesammelt. "Bis Ende der sechziger Jahre war Kardinal Wojtyla eine Obsession für die polnischen Geheimdienste. Über den künftigen Papst wollten sie alles wissen: Meinungen, Gewohnheiten, Hobbys, Gesundheit, Familie", schrieb L'Espresso.

In einem Dossier mit Datum 9. Oktober 1969 wurde ein Fragebogen gefunden, den die Spione, die Wojtyla bespitzelten, beantworten mussten. Darum ging es um seine intellektuellen Fähigkeiten, seinen Mut, seine Treue der Kirche gegenüber, seine Einstellung zum Vatikan und zur "sozialistischen Wirklichkeit" in Polen. (APA)