Wer sein Privatleben bewusst der Öffentlichkeit zugänglich macht und sich zu einem manchmal unkonventionellen Lebenswandel bekennt, muss wahre oder zumindest sorgfältig recherchierte Berichte über weitere Details seines Privatlebens dulden. Unwahre Behauptungen hingegen, die oberflächlich recherchiert und rufschädigend sind, sind laut OGH mit dem Argument eines ohnehin selbst veröffentlichtem Privatleben nicht zu rechtfertigen (4 Ob 177/06t vom 28. 9. 2006). Ein legitimes öffentliches Interesse an einer unwahren oder auf bloßen Verdächtigungen beruhenden Berichterstattung gibt es nicht. Wird die Wirkung solcher Berichte durch Bilder des Betroffenen verstärkt, verstößt deren Veröffentlichung gegen § 78 UrhG. Dies kann, so der OGH 2004, eine unzulässige "Prangerwirkung" schaffen (4 Ob 165/03y, ÖBl 2004, 89 - Pinkelprinz). (Georg Orator, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.1.2007)