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Ein Blick auf den Grossglockner (3.797m) anno 1982.

Foto: APA/Gindlfoto
Graz - Die Auswirkungen des Klimawandels in der höchsten Gebirgsregion Österreichs - den Hohen Tauern rund um den Großglockner - erforscht ein interdisziplinäres Forscherteam der Uni und der TU Graz in Kooperation mit Experten aus Japan und Norwegen. Fokussiert wird dabei auf vier Landschaftsparameter: "Gletscher, Permafrost, geomorphologische Veränderungen wie Steinschlag oder Muren und Schnee", so Andreas Kellerer-Pirklauber, Geograph an der Uni Graz.

Satellitengestützte Erkundung

"Durch Kooperationen können wir verschiedene Ansätze gemeinsam verwenden und das Wissen von den Kollegen einbringen", so Kellerer-Pirklauber. So werden im Zuge des mit Juni des Vorjahres gestarteten und vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) finanzierten Projekts neueste Methoden eingesetzt wie satellitengestützte Erkundung, im Gebirge fest installierte hochpräzise Temperatursensoren oder automatische digitale Kameras: "Von letzteren haben wir drei selbst gebaute. Damit bekommen wir hochaufgelöste Aufnahmen von verschiedenen Karen an jedem Tag zu einer bestimmten Zeit", berichtete Kellerer-Pirklauber. Zusätzlich stünden Daten von Wetterstationen und Temperatur-Messsensoren zur Verfügung.

Messungen in Gange

"Wir untersuchen auf zwei unterschiedlichen Zeitskalen: Einerseits die aktuellen Veränderungen mit dem Messnetz, andererseits die Landschaftsveränderungen in den vergangenen 150 Jahren", so Kellerer-Pirklauber, der zusammen mit Michael Avian im Rahmen des Projekts seine Dissertation schreibt. Der vergangene Sommer sei dazu verwendet worden, Geräte aufzustellen und zu installieren, die zum Teil mit dem Hubschrauber auf die Hohen Tauern gebracht werden mussten. Die Messungen laufen bereits, bis Projektende im Jahr 2009 soll gemessen und die Daten interpretiert werden.

Schuttflächen werden immer größer

"Wenn man beispielsweise den Parameter Gletscher hernimmt: Die Gletscher werden immer kleiner, Felswände und Hänge instabil. In weiterer Folge kann vermehrt Gestein und Schutt zu Tal donnern", sagte Kellerer-Pirklbauer. Von topographischen Karten und Luftbildern habe man Daten über die zunehmende Schuttfläche (Obermoräne) der Pasterze-Zunge am Großglockner gesammelt. So war die Gletscherzunge 1964 rund fünf Mio. Quadratmeter groß, 21 Prozent davon seien mit Obermoräne (Schutt) bedeckt gewesen, berichtete der TU-Mitarbeiter. "1988 betrug die Gesamtgröße rund vier Mio. Quadratmeter und 40,6 Prozent waren vom Schutt bedeckt. Im Jahr 2002 war die ganze Fläche 3,6 Mio. Quadratmeter - der schuttbedeckte Teil betrug 51,2 Prozent", erklärte der Forscher. Die Tendenz zeige, dass sich die Gletscher immer mehr hinter einer Schuttdecke verstecken würden.

Weiterbildung

Die Daten, die im Rahmen von "Alpchange" gesammelt werden, sollen auch der Öffentlichkeit näher gebracht werden - "nicht nur einem Fachpublikum, vielleicht auch durch Lehrerfortbildung", meinte Kellerer-Pirklauber. (APA)