Beirut - Mit dem von der Opposition ausgerufenen Generalstreik befindet sich der Libanon wieder am Rande des Bürgerkrieges. Das kleine zerrissene Land ist Schauplatz der Austragung des israelisch-arabischen Konflikts wie auch der Auseinandersetzung zwischen dem Westen und dem Iran um dessen Atomprogramm. Seit dem Mordanschlag auf den früheren Regierungschef Rafik Hariri im Februar 2005 hat der Libanon einen radikalen Wandel durchgemacht:

14. Februar 2005: Bei der Explosion einer Autobombe werden in Beirut 23 Menschen getötet, darunter Rafik Hariri, der 1992-98 und 2000-04 Ministerpräsident war. Die Opposition beschuldigt die Ordnungsmacht Syrien und deren libanesische Gefolgsleute wie Staatspräsident Émile Lahoud der Urheberschaft des Anschlags und organisiert landesweite Massendemonstrationen gegen die 29-jährige syrische Militärpräsenz im Land.

28. Februar: Generalstreik. Die pro-syrische Regierung von Ministerpräsident Omar Karame tritt zurück.

7. April: Der UNO-Sicherheitsrat beschließt eine internationale Untersuchung des Hariri-Mordes.

24. April: Nach 29 Jahren endet die syrische Militärpräsenz: Die letzten 14.000 Soldaten verlassen das Land.

7. Mai: Der prominenteste Syrien-Gegner und pro-westliche Christenführer General Michel Aoun kehrt nach 15-jährigem Exil in Frankreich nach Beirut zurück. Ihm wird ein triumphaler Empfang bereitet.

2. Juni: Mitten im Wahlkampf stirbt in Beirut der für seine antisyrische Haltung bekannte prominente christliche Journalist und Schriftsteller Samir Kassir bei einem Autobombenanschlag.

19. Juni: Aus den Parlamentswahlen geht das anti-syrische multikonfessionelle "Bündnis der Zukunft" um Saad Hariri, den Sohn des ermordeten Ex-Premiers Rafik Hariri, als Sieger hervor. Staatspräsident Lahoud erteilt den Auftrag zur Bildung einer Regierung der "nationalen Verständigung".

21. Juni: Der (christliche) ehemalige Chef der libanesischen Kommunistischen Partei Georges Haoui stirbt in Beirut, als eine in seinem Auto versteckte Bombe detoniert.

19. Juli: Bildung einer Konzentrationsregierung unter dem sunnitischen Wirtschaftsfachmann und Hariri-Vertrauten Fouad Siniora, die sich auf eine parlamentarische Zweidrittelmehrheit stützen kann. Die radikale schiitische Hisbollah beteiligt sich erstmals mit zwei Ministern an der Regierung. Aouns christliche "Freie Patriotische Bewegung" (CPL) lehnt eine Beteiligung ab.

30. August: UNO-Ermittler lassen vier pro-syrische libanesische Generäle und enge Mitarbeiter Lahouds festnehmen.

12. Oktober: In Damaskus begeht der syrische Innenminister General Ghazi Kanaan, vormals oberster Koordinator der syrischen Libanon-Politik, nach Regierungsangaben Selbstmord.

20. Oktober: Ein 54-seitiger UNO-Ermittlungsbericht macht syrische und libanesische Geheimdienste für den Hariri-Mord mitverantwortlich. Syrien weist ihn als "politisch motiviert" zurück.

5. Dezember: UNO-Vermittler befragen in Wien den früheren Chef des syrischen Militärgeheimdienstes im Libanon, Generalleutnant Rustom Ghazali.

12. Dezember: Mordanschlag auf den christlichen Abgeordneten und Herausgeber der Beiruter Tageszeitung "An-Nahar", Gebrane Tueni, einen scharfen Kritiker Syriens.

7. Februar: Die Hisbollah und Aouns CPL unterzeichnen ein Dokument der "nationalen Verständigung" und laden andere Parteien ein, der Vereinbarung beizutreten, um einen konfessionellen Bürgerkrieg zu verhindern.

Juli/August: 34-Tage-Krieg mit Israel.

November: Rücktritt aller fünf schiitischen und eines pro-syrischen christlichen Ministers. Hisbollah und CPL fordern vorgezogene Wahlen. Lahoud erklärt Restregierung für "illegitim".

21. November: Der antisyrische christliche Industrieminister Pierre Gemayel erliegt den Verletzungen, die er bei einem Anschlag auf seine Wagenkolonne erlitten hat.

Dezember 2006/Jänner 2007: Das Oppositionsbündnis aus den beiden Schiitenparteien Hisbollah und Amal und Aouns CPL organisiert Massendemonstrationen gegen die Regierung. (APA/Reuters)