Wien - Österreich will wie auch andere europäische Staaten in den kommenden Jahren die lebensbegleitende "Elektronische Gesundheitsakte" (ELGA) einführen. Kernpunkt: Wichtige Gesundheitsdaten sollen mit der jeweilige Patienten-Zustimmung für Ärzte, Krankenhäuser und andere Leistungsanbieter jederzeit per EDV zugänglich sein. Die Industrie ist an dem Projekt enorm interessiert. Doch entscheidend wird die vorausgehende genaueste Planungsarbeit unter Beteiligung der Nutzer sein, wurde am Mittwoch bei einer Fachkonferenz betont.

Während Telekom-, Software- und Hardwareanbieter in ELGA oder ähnlichen Projekten längst ein lukratives Geschäft orten, mahnt Univ.-Prof. DDr. Wolfgang Dorda, Informationsspezialist an der MedUni-Wien: "Wir reden über eine Unterstützung des Gesundheitswesens. Die Technik kann es in seinen Aufgaben unterstützen, sie ist nicht Selbstzweck." Schon die Einführung der im Vergleich zu ELGA simplen E-Card machte in Österreich erhebliche Probleme, das neue Projekt stellt eine um Potenzen kompliziertere Materie dar.

Datenschutz

Der Datenschutz kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, erklärte Dorda: "Es handelt sich zum außerordentlich sensible Patientendaten." Österreich werde wahrscheinlich ein eigenes ELGA-Gesetz zur Regelung der komplexen Materie benötigen. Doch wenn die Marktteilnehmer nicht mitmachen, scheitert das Projekt.

Möglicher "Eurofighter der Gesundheitspolitik"

Vergangene Woche hat der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Reiner Brettenthaler, bei einer Pressekonferenz in Wien bereits betont, dass ELGA ohne intensive Planungsarbeit durch jene Institutionen, die damit dann arbeiten sollen, leicht zum "Eurofighter der Gesundheitspolitik" werden könnte. Die Ärzteschaft werde sich sicher nicht - wie bei der E-Card - an der Finanzierung beteiligen.

In Großbritannien wird ein solches Projekt von unterschiedlichen Anbietern bereits etabliert. Dänemark führt eine Basis-Version mit problemorientierter Struktur ein. Die USA wollen für alle Bürger, dabei sind Dutzende Millionen nicht einmal krankenversichert, bis 2014 die elektronische Gesundheitsakte einführen. In Kanada ist das bis 2009 für 50 Prozent der Patienten vorgesehen.(APA)