Wien – Der Orkan "Kyrill" hat in den Wäldern weniger Schäden angerichtet als befürchtet. Sie reichen dennoch aus, um vereinzelt eine neue Diskussion um die Preise zu entfachen. Die Forste hätten das Ausmaß der Schäden verniedlicht, sagt ein Sägeindustrieller. Er rechnet mit einem Einbruch der Holzpreise um bis zu 20 Prozent. Denn neben dem Windwurf sorgte auch die zu warme Witterung für Kalamitäten.

Michael Offner, Eigentümer der Offner Holzindustrie und Sägeindustrie-Präsident, sieht das anders. Preisspitzen seien sicherlich gekappt, sagt er dem Standard. Es habe aber keiner in der Branche Interesse, Preise zu drücken. Entscheidend sei, die Holzmobilisierung zu sichern und keinen zu verunsichern. "Wir werden weiter auf hohem Niveau einkaufen." Auch Alfred Jechart, Chef von Mayr-Melnhof Holz, sieht den Preisauftrieb beim Rundholz gestoppt. Dass es deutlich günstiger wird, bezweifelt er. "Der überhitzte Markt stabilisiert sich." Einig sind sich die Säger, dass die Holzversorgung für heuer gesichert ist.

Die Branche musste die Kapazität 2006 aufgrund starker Engpässe um zehn Prozent reduzieren. Mayr-Melnhof etwa verzichtete auf Sonderschichten und ließ Mitarbeiter Urlaube abbauen. Jechart überlegt jetzt, den Einschnitt in Leoben wieder hochzufahren. Offner erwartet, dass die Sägewerke heuer ihre Produktionsverluste aus dem Vorjahr wieder aufholen. Auslöser der Knappheit waren um rund 20 Prozent gesunkene Holz-Importe. Dazu kam ein strenger Winter. Was für die Säger ein überhitzter Markt ist, macht für Forstwirte den Holzeinschlag wieder rentabel. Für Felix Montecuccoli, Präsident der Land & Forst Betriebe, ist es nachvollziehbar, dass einzelne Betriebe der Versuchung nicht widerstehen könnten, Preise zu drücken. "Grund dafür gibt es keinen." "Kyrill" habe in Österreich nur bis zu drei Mio. Festmeter Holz auf den Boden geworfen. Sollte es "unanständige Angebote" geben, werde Holz zwischengelagert. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2007)