Wien – Verfilmt wäre dieser Mordfall nichts fürs Hauptabendprogramm. Ein ausgebildeter Kampfsportler, knapp über 30, tötet seine drogensüchtige Mitbewohnerin mit einem Würgegriff, zerstückelt – da er gelernter Fleischer ist – die Leiche fachgerecht, verstaut die in Alufolie verpackten Teile im Kühlschrank und stellt diesen im Hof ab, wo es Monate dauern sollte, bis die Verwesung bemerkt wird. Gerne ergänzt die Staatsanwältin, dass der Mann ursprünglich vorhatte, die tote 32-jährige Frau zu Hundefutter zu verarbeiten.

Bei der Polizei fiel der sieben Mal vorbestrafte Täter mit der hünenhaften Statur durch markige Sprüche auf. "Wer mich bedroht, hat sein Leben verwirkt." Oder: "Ich bin ausgebildet, um zu töten." Letzteres soll die Antwort auf Selbstmordabsichten seiner dahinsiechenden Wohnungspartnerin Ulrike gewesen sein. Sein Angebot: "Oide, wennst dein Leben net in den Griff kriegst, können wir's ja beenden." Dazu steht er auch heute noch: "Wie sie gelebt hat, das war eh schon ein Sterben auf Raten."

Kennen gelernt hat er sie beim Karlsplatz. Und er hat sich wirklich bemüht, sie von dort wegzubekommen, beteuert er. Er selbst hatte seine Drogenkarriere schon hinter sich. Früh ist er von daheim, von den Adoptiveltern, ausgerissen, für die Fremdenlegion war er zu jung. Die Oma, die er liebte, starb. Einzig sein Lehrmeister wusste "mit so schwierigen Burschen wie mir" umzugehen. Danach ließ er sich von keinem mehr etwas vorschreiben. "Und da bin ich dann in ein Loch gestürzt", sagt er. Regelmäßig war in seinem Leben nur noch der Aufenthalt im Gefängnis.

Das Tatmotiv in der Nacht zum 15. Oktober 2005 bleibt unklar. Als er aufwachte, soll Ulrike mit dem Messer neben ihm im Bett gesessen sein, da packte er sie am Hals. Eigentlich wollte er sie nur entwaffnen, sagt er. "Leider hat er offensichtlich zu fest zugedrückt", entschuldigt sich sein Verteidiger: "Ein bedauerlicher Zwischenfall." "Ich habe sicher falsch gehandelt", weiß der Angeklagte. Aber Töten sei für ihn als Fleischhauer "etwas so Alltägliches", meint er: "Da verliert man das G'spür für den Tod." – Er wird wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. (Daniel Glattauer, DER STANDARD - Printausgabe, 26. Jänner 2007)