Zwei mehrfach vorbestrafte junge Vorarlberger, laut Eigendefinition "Nationalisten", sollen einen 19-jährigen Punk zum Pflegefall geprügelt haben. Der Prozess gegen die Skinheads wurde am Donnerstag vor dem Landesgericht in Feldkirch eröffnet.

Feldkirch - "Da spielt jemand Fußball, das muss wirklich nicht sein um diese Zeit", dachte sich die Anrainerin eines Fastfood-Lokals in Lindau, als sie am 20. August 2006 um vier Uhr nachts durch Lärm vor dem Haus geweckt wurde. Die junge Frau schaute aus dem Fenster: "Da traten zwei auf einen Menschen ein, richtig reingekickt haben die." Getreten wurde nicht gegen einen Fußball, sondern den Kopf eines Menschen. "Geht's noch", habe sie vom Fenster aus geschrien, erzählte die Zeugin am Donnerstag vor dem Landesgericht Feldkirch, "dann sind die zwei weggerannt". Zurück blieb ein schwer verletzter 19-Jähriger. Der Anlagenelektriker aus Lindau lag nach dem Überfall wochenlang im Koma. Heute ist er ein Pflegefall.

"Was ist in Ihnen vorgegangen, als sie einen Menschen so getreten haben?", wollte Richter Peter Mück vom Erstangeklagten Jürgen T. (23) wissen. "Ich war halt so bsoffn, hab einfach nicht nachgedacht." Er fühle sich schuldig, heult der Mann in der schwarzen Bomberjacke. "War der Mann, den sie so getreten haben, ein Punk?" Ja, an der Frisur und an den Schuhen hätten sie das gesehen, sagt der Angeklagte. "Und Sie, Sie geben an, dass sie ein Nationalist sind. Was ist denn das, ein Nationalist?" Lange Pause. "Was soll i denn do säga?" Er probiert es: "Ist halt politisch, aber ich versuche das gewaltfrei zu verfolgen." Wenig später beschreiben zwei Jugendliche, wie sie vom Angeklagten hinterrücks auf dem Weg von einem Konzert zum Bahnhof überfallen und krankenhausreif geprügelt wurden. Ebenfalls im Sommer.

Opfer getreten

Auch Christian W., drei Jahre jünger als sein Freund, ist auch ein Nationalist, "einer, der für sein Land steht". Und wie sein Kollege schenkt er gern ein. Sich das Bier, anderen "Gerade". Literweise will er in der Tatnacht Bier getrunken haben, dazu noch harte Getränke. Das Opfer sei ihnen nach der Zechtour auf dem McDonald's-Parkplatz aufgefallen, weil es dort geschlafen habe. "Mit dem Daumen im Mund." Das war "sehr lustig". Deshalb habe man Handyfotos gemacht und dann den "Punk" mit den Füßen geweckt, der habe geschimpft. Da seien sie ausgerastet. "Dann haben sie den Mann getreten, bis der Kopf zu einer blutigen Masse wurde?", fragt der Richter. Ja, getreten haben sie, "so zehnmal jeder". Der Richter will es genau wissen: "So getreten, dass der Kopf auf die andere Seite fiel? Dann hat der andere getreten? Dann ist der Kopf wieder auf die andere Seite gefallen? Dann hat wieder der andere . . . "Ja", aber das Blut habe man erst später gesehen, als die Frau aus dem Fenster rief. Die Frau, die dann als Zeugin sagte: "So richtig reingekickt haben die." Warum? Man sei "stark alkoholisiert gewesen".

Der Prozess wurde vertagt, ein Gutachten über die Dauerfolgen der Verletzungen muss erstellt werden. Maximales Strafausmaß: zehn Jahre Gefängnis. (Jutta Berger, DER STANDARD - Printausgabe, 26. Jänner 2007)