Paris - In Frankreich ist der bürgerliche Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy ins Zwielicht geraten: Die dem Innenminister unterstellte Polizei räumte am Donnerstag ein, eine Akte über einen Umwelt-Berater von Sarkozys linker Rivalin Segolene Royal angelegt zu haben. Sarkozy wies erneut den Vorwurf zurück, er habe eine Bespitzelung des Ex-Greenpeace-Sprechers Bruno Rebelle angeordnet, der die Sozialistin Royal in Umweltfragen berät.

Der Nachrichtendienst der Polizei erklärte, die Akte sei bereits vor Rebelles Berater-Tätigkeit und nicht auf Initiative Sarkozys oder seines Hauses angelegt worden. Royal forderte Präsident Jacques Chirac auf, für einen reibungslosen Wahlkampf zu Sorgen. Ihre Sozialisten fordern zudem, dass Sarkozy aus dem Kabinett ausscheidet. Im Parlament kam es wegen des Streits um die Akte zu Handgreiflichkeiten.

Pikant

Am Mittwoch hatte eine Zeitschrift berichtet, der Dienst sei beauftragt worden, Rebelles Umfeld auszuspionieren. Die Sache ist deshalb pikant, weil Sarkozy für die Aktivitäten des Dienstes als Innenminister verantwortlich ist. Sarkozy wird voraussichtlich erst im Februar sei Ministeramt aufgeben, um sich voll dem Wahlkampf zu widmen. Royal kommt die aktuelle Diskussion nach Einschätzung von Beobachtern gelegen.

Sie liegt in den Umfragen vor den Wahlen im Frühjahr derzeit hinter Sarkozy. Allerdings sehen viele Franzosen den Politikstil des bisweilen forsch auftrumpfenden Innenministers mit Sorge. Die Gerüchte um die angebliche Bespitzelung schaden nun seinem Vorhaben, sein Image aufzupolieren.

Sarkozy nannte die Vorwürfe am Donnerstag erneut "lächerlich". "Weder mein Büro noch ich selbst haben irgendetwas erbeten." Er bezeichnete die Debatte als Kampagne, die die Sozialisten angesichts ihrer schwachen Umfragewerte führten.

Im Parlament griff der sozialistische Senator Jean-Luc Melenchon den Sarkozy-Berater Brice Hortefeux aus Verärgerung tätlich an und rempelte ihn an. Melenchon hatte zuvor gefordert, der konservative Regierungschef Dominique de Villepin müsse sicherstellen, dass der Staatsapparat nicht missbraucht werde.

Hortefeux sagte daraufhin, die Akte Rebelle sei vermutlich schon vor vielen Jahren unter einer Regierung der Sozialisten angelegt worden, als Rebelle noch für Greenpeace gearbeitet habe. Damit spielte Hortefeux klar auf den Skandal von 1985 an, als Agenten Frankreichs das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior versenkten. Das hatte damals zum Rücktritt des von den Sozialisten gestellten Verteidigungsministers geführt.

In Frankreich wird im April und Mai in zwei Runden der neue Präsident gewählt. Sarkozy geht für die regierende Mitte-Rechts-Partei UMP ins Rennen. (APA/Reuters)