Wien - Bei einer der mit FP-Obmann Heinz Christian Strache auf den Fotos abgebildeten Personen soll es sich laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) um Andreas Thierry, einen der derzeit aktivsten Akteure der rechtsextremen Szene im deutschsprachigen Raum handeln. Mit dem Erwerb eines ehemaligen Gasthofs in Hohenberg bei Ellwangen (Baden-Württemberg) gründete er mit anderen ein Schulungszentrum für die "Bewegung Deutsche Volksgemeinschaft" (BDVG) und die Jugendorganisation der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands.

"Strache hat seine Wurzeln im nationalen Lager"

Der laut DÖW Ende der achtziger Jahre als Führungskader für die "Volkstreue Jugend Offensive" (VJO) tätige Thierry war am Donnerstag nicht erreichbar. Er wolle sich zur Causa Strache nicht äußern. Das tat er allerdings im vergangenen Sommer. In der Ausgabe 2/2006 des Jugend Echos, laut DÖW die Kampfschrift des neonazistischen Bundes freier Jugend (BfJ), setzte er sich unter dem Titel "Wohin steuert die FPÖ? Strategische Überlegungen zur Lage des Nationalen Spektrums in Österreich" mit Straches Partei auseinander.

Dabei lässt der Autor weder über Straches politische Wurzeln noch über gemeinsame Bekanntschaft Fragen offen: "Über eine Frage herrscht hingegen Klarheit: Strache hat seine Wurzeln im nationalen Lager. (Er ist dem Verfasser seit 1989 persönlich bekannt, also noch aus gemeinsamen Pennälertagen.)", heißt es in dem Artikel.

"Paintballs" bei Wehrsportübungen im Einsatz

Ziehvater von Thierry ist laut DÖW ein ehemaliger SS-Untersturmführer der Leibstandarte Adolf Hitler, der ebenfalls zahlreiche Schulungen für deutsche und österreichische Neonazi-Kader veranstaltet. 1956 war er FPÖ-Spitzenkandidat in Graz, zuvor steirischer Landesobmann der FPÖ-Vorläuferpartei Verband der Unabhängigen (VDU), so das Dokumentationsarchiv.

1984 hätte der ehemalige SS-Mann als Redner bei der Gründungsversammlung der drei Jahre später verbotenen Nationalen Front von Gerd Honsik auftreten sollen. Honsik flüchtete in den neunziger Jahren nach seiner Verurteilung nach dem Verbotsgesetz nach Spanien. Er gilt Insidern aber nach wie vor als einer der Drahtzieher im österreichischen Rechtsextremismus. Aus seinem Umfeld rekrutierte sich ein Gutteil der Kader der später verbotenen Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition (VAPO), die übrigens regelmäßig Wehrsportübungen abhielt. Dabei kamen laut DÖW auch "Paintballs" zum Einsatz.

Briefbombenserie

Ein weiterer der auf den Fotos abgebildeten Personen soll ein Führungskader, genauer "stellvertretender Kameradschaftsführer", von Gottfried Küssels VAPO gewesen sein. Sein Name fand sich dem Dokumentationsarchiv zufolge im Telefonbuch des in Zusammenhang mit der Briefbombenserie 1993 bis 1997 festgenommenen Franz Radl jun. Auch Straches Name und der von Thierry standen laut DÖW in dem Buch. Radl jun. wurde in Zusammenhang mit den Briefbomben freigesprochen, stand aber auch wegen Wiederbetätigung vor Gericht.

Deutschnationale Studentenverbindung

Der ehemalige VAPO-Aktivist trat den Experten des DÖW zufolge in den neunziger Jahren in eine deutschnationale Studentenverbindung, die Grenzlandsmannschaft Cimbria, ein. Bei dieser Verbindung war auch der Organisator der Demonstration gegen die Wehrmachtsausstellung am Heldenplatz in der Wiener City im April 2002. Der Ex-VAPO-Kader zeigte sich übrigens ebenfalls am Rande dieser Kundgebung. (APA)