Washington - Das Gedächtnis ist offenbar nicht nur zum Erinnern von Vergangenem wichtig, sondern auch für die Planung zukünftiger Ereignisse. Eine Studie von britischen Forschern zeigt, dass Schäden an der Hirnregion Hippocampus nicht nur die Erinnerung an vergangene Ereignisse beeinträchtigen, sondern auch das Vorstellungsvermögen für die Zukunft.

Erkrankungen wie Alzheimer oder Sauerstoffmangel etwa als Folge eines Herzinfarkts können den Hippocampus schädigen. Menschen mit derartigen Schäden weisen Erinnerungsstörungen auf. Nun baten Forscher des Londoner University College solche Amnesie-Patienten, sich zukünftige Alltagssituationen, etwa am Strand oder in einer Bar, vorzustellen und zu beschreiben. Diese Fähigkeit war deutlich beeinträchtigt, wie die Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" berichtet.

Die Patienten konnten sich die Gesamtsituation nicht vorstellen und sahen stattdessen eher eine Ansammlung voneinander getrennter Eindrücke. "Diesbezüglich sind Menschen mit beschädigtem Hippocampus gezwungen, in der Gegenwart zu leben", bilanziert Untersuchungsleiterin Eleanor Maguire. Sie glaubt, dass sowohl die Erinnerung an Erlebtes als auch die Vorstellung von Zukünftigem auf einem gemeinsamen Mechanismus beruhen, an dem der Hippocampus beteiligt ist. (APA/AP)