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Während Hersteller relativ teurer Autos wie Porsche und BMW blendend verdienen, muss so mancher Massenhersteller empfindliche Verluste hinnehmen. Jüngstes, krasses Beispiel: Der US-Konzern Ford verlor im Vorjahr 12,7 Mrd. Dollar.

Fotos: AP
Wien/Stuttgart/München/Dearborn - Porsche ist seit Jahren der rentabelste Autohersteller der Welt. Die am Freitag vorgelegten Zahlen beinhalten dazu einen Sondereffekt aus der Beteiligung am Volkswagen-Konzern, der Gewinn in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2006/2007 hat sich gar verfünffacht: Angetrieben vom Kauf von 27,4 Prozent der VW-Aktien sprang der Vorsteuergewinn in den Monaten August bis Jänner auf 1,45 Milliarden Euro (von 277,8 Mio. Euro). Gut eine Milliarde Euro strich Porsche allein mit Kurssicherungsgeschäften für die VW-Beteiligung und mit der Höherbewertung des Pakets ein. Zudem schob der Verkauf teurerer Modellvarianten den Gewinn an. Dabei ging im Berichtszeitraum der Umsatz auf 3,02 Mrd. Euro zurück, weil der Nobelgeländewagen Cayenne gerade einen Generationswechsel durchmacht.

Bei der Hauptversammlung des schwäbischen Unternehmens lobte Vorstandschef Wendelin Wiedeking die neue Führungsstruktur bei VW: "Wir stehen zu 100 Prozent dahinter." Der neue VW-Chef Martin Winterkorn hat in Personalunion den Posten des VW-Markenchefs sowie des Vorstands für Forschung und Entwicklung übernommen. Die von seinem Vorgänger Bernd Pischetsrieder eingeführten Markengruppen Volkswagen (VW, Skoda, Bentley, Bugatti) und Audi (mit Audi, Seat, Lamborghini) wurden aufgelöst.

Auch ein anderer süddeutscher Hersteller ist auf Rekordfahrt: BMW berichtete, dass die Erlöse im Vorjahr um fünf Prozent auf 49 Mrd. Euro geklettert seien, der Gewinn vor Steuern werde voraussichtlich den Rekordwert von vier Milliarden Euro erreichen. 2005 waren es knapp 3,3 Mrd. Euro, die endgültigen Bilanzzahlen will BMW im März vorlegen. Klar ist: "Es war das beste Jahr in der Unternehmensgeschichte", so der seit September amtierende Vorstandschef Norbert Reithofer.

Renditekönige

Porsche erreicht somit rein rechnerisch eine Umsatzrendite von sagenhaften 48 Prozent, die aufgrund der Sondereffekte nicht sehr aussagekräftig ist. Dass Premiumhersteller derzeit gut leben im Autobusiness, beweist die Rechnung bei BMW: Die Umsatzrendite beträgt 8,2 Prozent. Ein Blick nach Italien bringt ähnliche Erkenntnisse: Ferrari setzte im Vorjahr 1,45 Mrd. Euro um, als Gewinn blieben 183 Mio. Euro - ergibt somit eine Rendite von 12,6 Prozent. Mutter Fiat, noch vor gar nicht so langer Zeit ein Sanierungsfall, schaffte erstmals seit sechs Jahren wieder eine positive Rendite, immerhin in Höhe von 2,3 Prozent (siehe Artikel "Fiat plant mit Indern Billigauto").

Die US-Hersteller müssen hingegen eine schlechte Nachricht nach der anderen kommunizieren: Nachdem Ford, der zweitgrößte der Amerikaner, am Donnerstag einen Verlust in Höhe von 12,7 Milliarden Dollar reportieren musste, den höchsten in der 103-jährigen Firmengeschichte, überraschte der größte der US-Konzerne, General Motors, am Freitag mit der Nachricht, dass die Bilanzvorlage verschoben werden muss. Fehler seien unter anderem beim Verkauf der Finanztochter GMAC aufgetaucht. Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer: Finanziell gut geschlagen hat sich bei Ford nämlich der europäische Zweig des Konzerns. Man profitierte von den Werkschließungen der vergangenen Jahre und wies einen Gewinnsprung aus - auf 469 Millionen Dollar, von 73 Mio. im Jahr 2005. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.1.2007)