Wien/Paris - Die Freunde des Pferderennsports blicken sehnsüchtiger denn je nach Paris. Nicht nur, weil dort am Sonntag der Prix d'Amerique, das wichtigste internationale Trabrennen, ausgetragen wird. Denn der französische Rennsport zeigt, wie es gehen könnte - im Kampf um das Geld der Wettfreudigen. In den meisten anderen europäischen Ländern scheint dieser Kampf bereits ziemlich hoffnungslos. Buchmacher, Internetwetten, Lotterien und Casinos konkurrenzieren die Pferdewette immer heftiger. Der Pferderennsport verliert Wettumsätze, Rennpreise und nicht zuletzt Pferde.

Nicht so in Frankreich: Die von Staat und Pferdesport-Organisationen gegründete Wettgesellschaft PMU genießt ein Monopol, das zuletzt Österreichs Wettanbieter Bwin demonstrativ zu spüren bekam. Im vergangenen Jahr war der Zuwachs zwar mit 1,2 Prozent nur relativ bescheiden, aber von den 8,1 Milliarden Euro Umsatz können andere nur träumen. 73 Prozent fließen zurück an die Spieler, 14,2 Prozent in den Sport, der Rest geht an den Staat.

Erosion, Einbruch In den Nachbarländern dagegen wird die Situation immer trister. In Deutschland sind die Wettumsätze drastisch eingebrochen, sie haben sich alleine im Galopprennsport seit 1994 von 143 auf 51 Millionen Euro vermindert. Zahlreiche Rennbahnen sind insolvent, Profis und Besitzer geben auf, die Zucht schrumpft laufend. Nicht besser sieht es in den Niederlanden und in Belgien aus. Selbst der lange sehr gut dotierte italienische Turf ist seit der Erosion seiner Wettbasis in großen Schwierigkeiten.

Besser ist die Situation in Schweden, wo Pferdewetten durch eine landesweite Organisation eine Sonderstellung haben, die Sport und Staat zugute kommt. In England sind die Buchmacher bereit, die Kuh, die sie melken, auch anständig zu füttern, also über den Levy Board zur Finanzierung des Rennsports, der wichtigsten Basis ihres Geschäftes, beizutragen. Umsatz-Rückgänge musste der US-Rennsport hinnehmen. Die Stronach-Bahn Gulfstream Park in Florida büßt seit Jahren Wettumsätze ein.

In Österreich haben sich die Umsätze nach schweren Einbußen zuletzt etwas stabilisiert, sie sind aber von jenen der goldenen 80er-Jahre weit entfernt. Immerhin, die Wiener Fans können direkt in das französische Toto wetten, von den Umsätzen bleibt auch dem Wiener Trabrennverein etwas. Für das Pariser Millionen-Rennen gibt es heuer keinen herausragenden Favoriten - was die Wetter zusätzlich animieren wird. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD Printausgabe 27.01.2007)