Davos - Die Türkei hat vor einem endlosen Bürgerkrieg im Irak gewarnt. Die USA dürften kein Machtvakuum hinterlassen oder eine Aufsplitterung des Landes erlauben, mahnte der türkische Außenminister Abdullah Gül am Freitag während des Weltwirtschaftsforums im Schweizer Skiort Davos. Ansonsten drohe der Golfstaat, in einen nicht endenden Bürgerkrieg abzurutschen, der die gesamte Region in Mitleidenschaft ziehen könnte.

"Wenn der Irak gespalten wird, wird es einen richtigen Bürgerkrieg geben und alle Nachbarstaaten werden darin involviert sein", sagte Gül. Damit würde ein weiteres, dunkles Zeitalter in der Geschichte des Landes beginnen. Die Türkei werde in einem solchen Fall keinen der Nachfolgestaaten anerkennen. "Wir haben alle das gleiche Ziel: Den Irak als Einheit zu erhalten", bekräftigte Gül. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich für eine Zusammenarbeit zwischen den USA und den irakischen Nachbarländern in Bezug auf einen friedlichen Abzug der internationalen Truppen ausgesprochen.

Gül forderte die USA zudem auf, gegen mehrere tausend Kämpfer der kurdischen Separatistenorganisation PKK vorzugehen. Sollte das US-Militär dazu nicht in der Lage sein, müsse die Türkei militärisch eingreifen. Die Türkei hat bereits früher angedroht, Truppen in den Nordirak zu entsenden. Die meisten Analysten beurteilen die Aussagen jedoch als Wahlkampf-Rhetorik. In diesem Jahr soll in dem Land ein neues Parlament und ein neuer Präsident gewählt werden. (APA/Reuters)