Wien - Einige Überraschungen hat die in der Online-Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift "Nature Biotechnology" am Sonntag gemeldete Aufschlüsselung des Genoms des Schimmelpilzes Aspergillus niger gebracht. An der Sequenzierung der 33,9 Millionen Basenpaare waren auch Christian Kubicek und Monika Schmoll vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften der Technischen Universität (TU) Wien beteiligt.

Gute und schlechte Seiten

Aspergillus niger ist für Biotechnologen ein alter Bekannter. So wird der Pilz etwa für die Produktion von Zitronensäure in großen Mengen eingesetzt. Aspergillus niger schafft es auf bisher noch nicht restlos geklärte Weise, aus einer konzentrierten Zuckerlösung Zitronensäure herzustellen. Aber auch bestimmte Enzyme für Waschpulver, Lebens- und Futtermittel werden über den Pilz großtechnisch hergestellt.

Weniger Freude mit Aspergillus niger haben zahlreiche Besitzer mehr oder weniger feuchter Wohnungen. Der Schimmelpilz ist mit seinen Sporen für die typischen schwarzen Flecken an Wänden etwa um Fenster bekannt.

"Unsere Analyse hat ergeben, dass Aspergillus niger 14.000 Gene besitzt, das etwas weniger als die Hälfte der menschlichen Gene", berichtete Kubicek. Es zeigte sich weiters, dass die gängigen Theorien, wie der Pilz die Zitronensäure herstellt, überarbeitet werden müssen.

Analyse-Ergebnisse

Die Analyse brachte aber auch Gene zu Tage, die Aspergillus niger zu einem Kandidaten für weitere technische Einsätze qualifizieren. Es handelt sich um Gene für bestimmte Enzyme, so genannte Hydrolasen, die etwa Kohlenhydrate spalten können.

Nicht zuletzt zeigt sich durch die Sequenzierung, dass Aspergillus niger - wie auch menschliche Zellen - zum programmierten Zelltod fähig ist. "Diese Erkenntnisse könnten etwa dazu eingesetzt werden, dass der Pilz im technischen Einsatz je nach Bedarf in Form von Kugeln oder auch Fäden wächst", so Kubicek.

Die gesamte Analyse des Genoms wurde von einem Konsortium von Wissenschaftern aus zahlreichen Ländern durchgeführt. An der TU Wien wurden vor allem jene Sequenzen analysiert, die mit der Bildung von Zitronensäure in Verbindung stehen. (APA)