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Wenn's laaft, dann laafts.

Foto: APA/AP/Trovati
Wien - Renate Götschl kommt in einem besonderen Moment zur Alpin-WM nach Aare. Nach ihrer völlig verpatzten Olympia-Saison inklusive Bänderriss und Operation hätte die Speed-Queen vergangenen Sommer fast das Karriere-Handtuch geworfen. Nach einem Material- und Gruppenwechsel feierte die Steirerin aber eine einzigartige "Auferstehung".

Knapp mehr als 380 Weltcup-Rennen hat Götschl seit ihrem Debüt im Jänner 1993 - gleich im zweiten Anlauf hatte sie damals als 17-Jährige in Hafjell mit Startnummer 42 (Rekord) ihren ersten und bisher einzigen Slalom gewonnen - bestritten. 44 Siege hat sie seitdem gefeiert und im letzten Rennen vor der WM ihren exakt 100. Podestplatz geholt. Mit 6 Saisonsiegen hat sie zudem ihre eigene Bestmarke egalisiert und geht daher nicht nur als Weltcup-Gesamtführende, sondern auch als WM-Topfavoritin in den schnellen Disziplinen an den Start.

Im Interview mit der APA erklärt Götschl, warum sie trotz aller Zweifel weitergemacht hat. Die 31-jährige Steirerin beschreibt darin auch, warum sie auf ihren neuen Atomic-Ski so schnell ist, wie sie mit der WM-Favoritenrolle umgeht, warum sie noch eine weitere Saison anhängt und warum sie auf Aberglauben nichts mehr gibt. Außerdem wird Götschl, die durch ihre Sporterfolge finanziell längst ausgesorgt hat, nach ihrem Karriere-Ende Österreich treu blieben. Liebend gerne würde sie auch US-Popstar Pink treffen.

Nach dem völlig missratenen Olympia-Winter dachten sie ernsthaft über ein Karriere-Ende nach.

"Ich war wirklich knapp vorm Aufhören. Ich hatte total den Spaß verloren, obwohl Skifahren meine Lieblingsbeschäftigung ist. Ich habe bis in den Mai hinein nachgedacht."

Was war ausschlaggebend fürs Weitermachen?

"Dass ich auch ehrgeizig bin und nichts hinschmeiße. Und die vielen Gespräche mit Menschen, die mir nahe stehen. Vor allem mein Freund Hannes. Und dann natürlich der Wechsel zu Atomic und in die andere ÖSV-Trainingsgruppe. Für mich ist wichtig, in einer Gruppe zu sein, die sich versteht, und dass ich alle Leute hinter mir weiß."

Mit Atomic hat Dorfmeister Olympia-Doppelgold geholt. Das könnte auch für Sie gelten.

"Ich hätte tatsächlich schon vor Jahren zu Atomic wechseln können. Aber ich hatte damals mit Salomon schöne Erfolge und im vergangenen Olympia-Winter haben wir eben riskiert und verloren. Mit Atomic läuft es jetzt sehr gut. Für einen Sportler ist das die beste Ausgangsposition überhaupt. Nämlich wenn es auf der Piste nur noch auf ihn selbst ankommt."

Mit dem neuen Paket fahren Sie wie zur ihren besten Zeiten.

"Der Ski verleitet zum Angreifen. Ich denke mir oft selbst: Wow, dieser Radius war jetzt richtig gut. Seit ich für die Abfahrt auch noch den richtigen Schuh gefunden habe, ist es überhaupt perfekt. Ich muss über den perfekten Schwung derzeit einfach nicht nachdenken."

Also rundum zufrieden?

"Im Nachhinein bin ich natürlich heilfroh, dass ich weiter gemacht habe und das jetzt alles nochmals erleben darf. Ich genieße das gerade sehr. Und sonst halte ich es mit Rudi Nierlich. Wenn's laaft, dann laafts eben."

Sie fahren in Aare ihre letzte WM.

"Ich habe bei dieser WM nichts zu verlieren. Ich habe meinen WM-Titel ja schon. Kommt noch einer dazu, ist es schön. Ich kann es nur probieren."

Sie gehen aber als überragende WM-Favoritin an den Start. Die ganze Ski-Welt blickt auf Sie.

"Die Aufmerksamkeit bei Medien und bei einem selbst ist bei Großereignissen viel größer. Aber ich bin schon seit zehn Jahren bei jeder WM Favoritin, nehme es also gelassener. Man probiert, es wie ein normales Rennen anzugehen. Aber, ganz ehrlich, natürlich hat man deshalb auch schlaflose Nächte."

Ihre Saisonziele insgesamt?

Eigentlich wollte ich nur eine bessere Saison als die vergangene. Also ist alles jetzt schon eine Zugabe. Jetzt hoffe ich auf eine WM-Medaille und eine Weltcup-Kugel. Wie Franz Klammer fünfmal den Abfahrts-Weltcup zu gewinnen, wäre toll. Wir haben sogar gewettet, ob ich das schaffe. Ich habe aber vergessen, worum."

Sie fahren dann noch eine weitere Saison ohne Titelkämpfe. Warum?

"Das ist doch okay. So bekommt der Weltcup eine viel größere Wertigkeit. Da ist dann alles mehr wie die Formel 1."

Auch, um vielleicht doch noch auch einen Riesentorlauf zu gewinnen?

"Ich gebe zu, dass für mich ein Riesentorlauf-Sieg auf einer Stufe mit einem Abfahrts-WM-Titel stehen würde. Aber einfach ist das auch ohne Kostelic und Rienda nicht. Alleine wenn ich mir anschaue, wie unsere Jungen fahren ...."

In ihrem Beruf haben sie mit extrovertierten Typen wie Rainer Schönfelder und neuerdings dank des gemeinsamen Werbepartners Remus auch mit US-Popstar Pink zu tun.

"Die Nackt-Aktion von Rainer war genial. Solche Typen brauchen wir. Und Pink ist in ihrer Szene auch eine außergewöhnliche Frau. Ich würde sie echt gerne treffen. Schade, dass es bei der jüngsten Remus-Firmenfeier nicht geklappt hat."

Sie selbst drängen aber nicht gerade in die Öffentlichkeit.

"Ich bin ohnehin so viel unterwegs. Da muss ich mir den Stress nicht auch noch im Sommer antun. Man muss aufpassen, sonst frisst es einen irgendwann auf."

Ein kurzer Karriere-Rückblick..

"Ich weiß es zu schätzen, was ich da in die Wiege gelegt bekommen habe. Es muss viel zusammen passen, um dorthin zu kommen, wo ich bin. Viele probieren es, wenigen gelingt es. In meinen Mädchen-Träumen habe ich mich immer als Abfahrerin gesehen. So gesehen war mein Slalom-Sieg mit 17 Jahren eigentlich ein Missgeschick."

Ein kurzer Blick in die Zukunft..

"Da habe ich noch nicht viel nachgedacht. Ich werde zunächst wohl eher etwas Abstand gewinnen. Aber der Auswanderer-Typ bin ich nicht. Dazu habe ich Österreich und speziell die Gegend bei mir daheim viel zu gerne. Die Wurzeln und das Daheim sein, das ist schon was Besonderes."

Woher kommt ihrer Meinung nach der Titel Speed-Queen?

"Der Platzsprecher bei der WM 1999 in Vail hat das ständig gesagt, weil ich jedes Training dominiert habe. Mir hat das gleich getaugt. Weil es was Schönes und Bleibendes ist."

Sie kommen von einem Bauernhof, sind sehr naturverbunden. Ihre Gedanken zur Erderwärmung?

"Solche Winter wie den jetzigen hat es sicher schon gegeben. Aber natürlich überlegst du, wie das denn wohl in 100 Jahren sein könnte. Man muss auch was tun. Zum Beispiel nicht bei jeder Kleinigkeit ins Auto springen." (APA)