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Ex-Telecom-Italia-Präsident und aktueller Pirelli- Präsident Marco Tronchetti Provera verkaufte auch Telekom-Austria-Anteile.

Foto: AP/Alberto Pellaschiar
Nach dem Scheitern bei der Deutschen Telekom interessiert sich der russische Mischkonzern Sistema jetzt an Telecom Italia. Infolge der hohen Verschuldung sieht sich der italienische Pirelli-Konzern gezwungen, eine Minderheitsbeteiligung an der Dachholding Olimpia abzugeben. Diese hält als größter Einzelaktionär 18 Prozent am Ex-Monopolisten; Pirelli besitzt 80 Prozent, Benetton 20. Angeblich verhandelt Pirelli mit dem US-Fonds Blackstone und dem französische Geschäftsmann Vincent Bolloré.

Laut russischen Meldungen wäre eine Einigung zwischen Sistema und Pirelli bereits im März möglich – da weilt der russische Präsident Wladimir Putin auf Staatsbesuch in Rom. Der russische Mischkonzern, der den Mobilfunkanbieter MTS besitzt, könnte eigene Assets im Tausch anbieten, wird in Mailand spekuliert.

Konsulent und Verwaltungsratsmitglied von Sistema ist der ehemalige CEO der Deutschen Telekom, Ron Sommer. Sommer hatte sich bereits 1999 als DT-Chef um den Privatisierungszuschlag von Telecom Italia beworben.

TI-Präsident und Pirelli Großaktionäre Marco Tronchetti Provera hatte vor vier Jahren den ehemaligen Staatsmonopolisten für teures Geld erworben. Um die Verschuldung abzubauen, verkaufte Tronchetti Provera einen Großteil der Auslandsbeteiligungen, darunter auch 25 Prozent an Telekom Austria.

Telecom Italia ist in letzter Zeit aber nicht nur wegen seiner horrenden Schulden von über 40 Milliarden Euro in das Kreuzfeuer der Kritik geraten. Ein Abhörskandal, demzufolge nicht nur Politiker, Industriekapitäne und Untersuchungsrichter belauscht wurden, hat das Image angeschlagen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, inwieweit Tronchetti Provera von den breit angelegten Abhöraktionen Bescheid wusste. Tronchetti Provera wiederholt immer wieder, dass er und TI zu den Geschädigten zählten. Ermittelt wird allerdings auch gegen den italienischen Telekommunikationskonzern Fastweb, bei dem die Staatsanwaltschaft laut Medienberichten vermutet, dass das Volumen seiner Umsätze künstlich aufgeblasen hat, um so höhere Steuergutschriften zu erhalten. Fastweb dementierte die Vorwürfe.

Für Alitalia gibt es gleich elf Bieter, darunter Management & Capitali (M&C) des italienischen Großindustriellen Carlo De Benedetti, teilte das Unternehmen nach Ende der Bieterfrist am Montagabend mit. Aber man brauche noch mehr Information über Alitalia. M&C werde von der Bank Goldman Sachs unterstützt, hieß es in Mailänder Finanzkreisen. Zum Verkauf stehen mindestens 30 und maximal 49,9 Prozent, an denen auch der Mailänder Geschäftsmann Paolo Alazraki interessiert ist. (Thesy Kness-Bastaroli, Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.1.2007)