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Jaap de Hoop Scheffer

Foto: AP Photo/Fritz Reiss
Berlin/Hamburg - NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat Friedensverhandlungen mit den radikalislamischen Taliban in Afghanistan abgelehnt. "Mit diesen Leuten kann man nicht verhandeln. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die NATO mit Leuten verhandelt, die Kinder oder Lehrer in Schulen töten", sagte Scheffer dem Fernsehsender n-tv am Montag. Gespräche mit Menschen, die "allein das Ziel haben, Wiederaufbau und Demokratie zu zerstören", seien nicht möglich.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hatte den Taliban Friedensgespräche angeboten. Trotz der andauernden Gewalttätigkeiten stehe die Tür zu Verhandlungen offen, sagte Karzai am Montag in Kabul.

Mehr Geld gefordert

Einen Tag vor der Afghanistan-Konferenz in Berlin hat NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer mehr Truppen und mehr Geld für die Schutztruppe ISAF und den Wiederaufbau des Landes gefordert. Die USA hätten mit ihrer Ankündigung, ihre Truppen und Finanzhilfen für Afghanistan aufzustocken, einen vorbildlichen Schritt getan, sagte De Hoop Scheffer am Montag dem Nachrichtensender n-tv. "Was wir brauchen sind mehr finanzielle Mittel. Wir brauchen auch noch mehr Truppen."

Er hoffe daher darauf, dass beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister in der kommenden Woche in Sevilla andere Staaten dem Beispiel der USA folgen würden. Gleichzeitig betonte der NATO-Generalsekretär: "Das Wesentliche der Mission in Afghanistan ist der Wiederaufbau - nicht Kampf." Letzten Endes gebe es keine militärische Antwort auf die Situation in Afghanistan. Dennoch müsse leider auch gekämpft werden. Friedensverhandlungen mit den radikal-islamischen Taliban schloss De Hoop Scheffer aus. Es handle sich um "Leute, die allein das Ziel haben, Wiederaufbau und Demokratie zu zerstören." Mit diesen könne nicht verhandelt werden.

Am Dienstag und Mittwoch findet in Berlin im Auswärtigen Amt ein internationales Treffen zur Koordinierung des Wiederaufbaus in Afghanistan statt.

Fehler beim Wiederaufbau

Der afghanische Handelsminister Amin Farhang prangerte unterdessen Fehler beim Wiederaufbau seines Landes an. "Mit besseren Konzepten könnte man mehr erreichen", sagte Farhang, der früher das Wiederaufbauressort leitete, der "Financial Times Deutschland" (Dienstag-Ausgabe).

Er kritisierte vor allem die Praxis ausländischer Regierungen und Organisationen, Projekte in Eigenregie umzusetzen. "Viele Geber haben sich nicht mit der afghanischen Regierung abgestimmt", sagte der Minister. Dies habe zu Verschwendung - wie etwa überhöhten Gehältern für ausländische Experten - und zu Doppelungen bei Projekten geführt, zum Beispiel im Gesundheitswesen.

Nach Ansicht von Farhang muss die Priorität beim Wiederaufbau künftig vor allem auf der Förderung der landwirtschaftlichen Produktion als Alternative zum Anbau von Mohn zur Drogenherstellung liegen. Die Regierung in Kabul plant die Schaffung von Handelszentren, die den Bauern bei der Verarbeitung ihrer Waren für den Export helfen. (APA/AFP/dpa)