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"Achtung, ein Geisterfahrer!" - Diese Meldung ging im Jahr 2006 beim Radiosender Ö3 erstmals seit 2001 weniger oft als 500 Mal über den Äther. 486 Mal warnte das Verkehrsservice. Das entspreche einem Minus von knapp sieben Prozent, der Abwärtstrend setze sich fort, teilte Ö3 am Dienstag mit. Bei den Bundesländern führt laut Statistik das dritte Jahr infolge Niederösterreich mit 141 Meldungen (die höchste Anzahl seit Beginn der Aufzeichnungen 1994) vor der Steiermark (84) und Kärnten (72).

Den stärksten relativen Zuwachs gab es in Niederösterreich und Vorarlberg. Den größten Rückgang verzeichneten hingegen Wien und Tirol. In der Bundeshauptstadt habe sich die Anzahl der "verirrten Lenker" gegenüber 2005 sogar mehr als halbiert, berichtete Ö3. Zwei Pkw-Insassen kamen im Jahr 2006 bei einem Geisterfahrer-Unfall auf der Mühlkreisautobahn (A7) ums Leben. 2005 starben deshalb noch acht Verkehrsteilnehmer.

Südautobahn als Rowdy-Strecke

Am öftesten waren die "Rowdys" auf der Südautobahn (A2) im Kärntner Wörthersee-Abschnitt zwischen Klagenfurt-Ost und Villach unterwegs (31 Meldungen). An zweiter Stelle liegt das A2-Teilstück im Raum Wiener Neustadt (26). Wegen der Freigabe des Ausbaus zwischen Schwechat und Vösendorf fiel der Verkehrsredaktion auch die Wiener Außenring Schnellstraße (S1) negativ auf: Die Anzahl der Geisterfahrer habe sich dort um 16 auf 20 erhöht, der Abschnitt rangiere nun auf Rang drei.

Besonders positiv entwickelt habe sich die Situation auf der Inntalautobahn (A12) im Tiroler Unterland, dem im Jahr 2005 noch gefährlichsten Teilstück: Mit acht Geisterfahrern wurde dort 2006 nur ein Viertel der verirrten Lenker registriert. Nur einen Geisterfahrer meldete Ö3 auf der Wiener Nordrand Schnellstraße (S2), keinen einzigen auf der Burgenland-Schnellstraße (S4).

Negativrekord

Das Jahr 2006 brachte auch einen Negativrekord: Am 25. Juni waren zehn Geisterfahrer auf Österreichs Straßen unterwegs - so viele wie noch nie zuvor an einem Tag. Der bisherige "Tageshöchstwert" (neun) stammt aus dem Jahr 2004.

Ein besonders hohes Risiko einem Geisterfahrer zu begegnen, besteht laut der Statistik am Wochenende: 96 verirrte Lenker zählte Ö3 an Sonntagen, "nur" 35 an Montagen. Die meisten Geisterfahrer seien zwischen 18.00 Uhr und Mitternacht unterwegs gewesen, die wenigsten in den Nachtstunden. Gefährlicher als jede andere Jahreszeit sei der Sommer: Mit 57 Meldungen irrten sich im Juni die meisten Autofahrer in der Richtung.

Zur Jahreshälfte habe es noch nach einem neuen "Rekordjahr" ausgesehen, berichtete der Radiosender, vor allem im vergangenen Quartal sei die Anzahl der Geisterfahrten aber deutlich zurückgegangen.

VCÖ: Mehr Alkohol-Kontrollen

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) forderte am Dienstag mehr Alko-Kontrollen zur Senkung der Geisterfahrerunfälle. In den vergangenen 20 Jahren seien in Österreich bereits 99 Menschen tödlich verunglückt, weil ein Lenker in der falschen Richtung unterwegs war.

Ursachen für Geisterfahrten sind laut VCÖ "Alkohol, Unachtsamkeit oder schlichte Dummheit". Der typische Geisterfahrer ist männlich und hat schon zuvor mehr als einmal Tempo- und Alkohollimits deutlich übertreten. Acht von zehn Geisterfahrern sind Männer, jeder zweite ist zwischen 21 und 40 Jahre jung.

"Rekordjahr" 1999

Die meisten Todesopfer bei Geisterfahrerunfällen gab es im Jahr 1999 mit 13, die wenigsten 1987 mit Null. Regional gibt es große Unterschiede: In Niederösterreich kamen insgesamt 37 Personen bei Geisterfahrerunfällen ums Leben, in der Steiermark 27. In Salzburg starben zwölf, in Oberösterreich elf und in Kärnten neun Personen. Am sichersten ist es in dieser Hinsicht in Vorarlberg. Dort ist in den vergangenen 20 Jahren kein einziger tödlicher Unfall durch einen Geisterfahrer verursacht worden.

Der VCÖ plädiert neben mehr Alkohol-Kontrollen auch für höhere Strafen für Geisterfahrer. Das Delikt solle zudem ins Vormerksystem aufgenommen werden. (APA)