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Foto: AP/Shizuo Kambayashi
Tokio - Obwohl die Unternehmen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt im nunmehr fünften Jahr in Folge mit steigenden Erträgen rechnen, ziehen die Löhne kaum an.

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Noch nie zuvor waren in Japan so viele Teilzeitkräfte und Vertragsarbeiter beschäftigt wie heute. Während Unternehmen wie Toyota Rekorde einfahren, leben immer mehr Haushalte von Wohlfahrtszahlungen.

Nachfrage aus dem Ausland

Japans Unternehmen profitieren vor allem von der weiterhin hohen Nachfrage im Ausland. Da sich die Konjunktur in den USA robuster zeigt als erwartet, dürften die Gewinne der japanischen Unternehmen auch in diesem Jahr weiter sprudeln. Hinzu kommt der Vorteil des schwachen Yen. "Da die Bank von Japan wegen der schwachen Binnennachfrage die Zinsen kaum erhöhen kann und die Ölpreise weiter fallen, bleibt der Druck auf der Kostenseite der Unternehmen gering", sagt Martin Schulz, Ökonom beim Fujitsu Research Institute in Tokio.

Dass die Unternehmen ihre Belegschaft dennoch nicht an den Profitsteigerungen teilhaben lässt, können diese mit lauernden Risiken wie den weiterhin schwachen Ausgaben der Verbraucher begründen, die zu über 50 Prozent zur Wirtschaftsleistung beitragen. Hinzu kommt der extrem hohe Konkurrenzdruck aus dem benachbarten Asien. Heute arbeitet in Japan schon jeder dritte Beschäftigte mit einem befristeten Vertrag und verdient im Durchschnitt weniger als Zweidrittel des Gehalts der Kernbelegschaft. Hinzu kommt, dass kein Land so schnell Industriearbeitsplätze ins Ausland verlegt hat wie Japan. Über die Hälfte aller Autos werden bereits im Ausland gebaut.

Bonus-Zahlungen

Auch wenn die Unternehmen in den Frühjahrstarif-Verhandlungen für eine Nullrunde bei den Grundgehältern höhere Bonus-Zahlungen anbieten, profitiert davon gewöhnlich die Kernbelegschaft, nicht aber die Teilzeitkräfte. Bei den Lohnverhandlungen können sich die Unternehmen zudem auf die Notwendigkeit weiterer Investitionen berufen. Neben Forschung und Entwicklung, für die Japan seit langem fast doppelt so viel aus gibt wie europäische Länder, sind die Unternehmen des Landes dabei, ihren inzwischen völlig veralteten Kapitalstock - also Maschinen und Fabriken - zu erneuern

Hinzu kommt der notwendige Ausbau der Produktionsstätten im benachbarten Asien, nach China inzwischen verstärkt auch in Ländern wie Vietnam. Die Arbeitnehmerseite wird zwar argumentieren, dass die Wirtschaft Japans nur weiter wachsen kann, wenn irgendwann auch die Haushaltseinkommen steigen. In den nächsten Jahren geht jedoch eine Rekordzahl von 5,1 Millionen Arbeitnehmern - fünf Prozent der Beschäftigten - in den Ruhestand. Da bleibe es selbst bei höheren Lohnzahlungen fraglich, ob diese zusätzlichen Einkommen in den Konsum gehen oder einfach nur in den Sparstrumpf wandern, erklärt Schulz.

Ersparnisse schrumpfen

Die einst hohe Sparquote in Japan ist inzwischen auf 3,1 Prozent des Volkseinkommens geschrumpft. Knapp ein Viertel aller Haushalte verfügt über keinerlei Ersparnisse. Viele Ökonomen sind denn auch mit Blick auf das weitere Wirtschaftswachstum in diesem Jahr skeptisch. Einen nachhaltigen Aufschwung sehen sie erst, wenn in Japan die Zinsen langfristig wieder anziehen und dadurch die Vermögenseinkommen der Haushalte wieder anziehen. Vorerst bleibt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt weiter vom brummenden Exportmotor abhängig. (APA/dpa)