Wien/Preßburg - Die Austrian Airlines (AUA) haben heute den Linienflugbetrieb ihrer slowakischen Tochter Slovak Airlines eingestellt. Damit zieht die AUA die Notbremse, nachdem die slowakische Regierung ihre Entscheidung über eine Übernahme alter Schulden der Slovak Airlines neuerlich vertagt hat. Der AUA-Vorstand habe beschlossen, die beiden Slovak Airlines-Flugzeuge, die sich im Eigentum der AUA Group befänden, rasch zurückzuführen, um eine Sicherstellung des Konzern-Eigentums zu gewährleisten, teilte die AUA am Dienstag mit.

Konkurs nahezu unausweichlich

Nach dem "Grounding" der zwei Maschinen wird nun damit gerechnet, dass das Management der zu 62 Prozent der AUA gehörenden slowakischen Fluggesellschaft in Kürze Insolvenz anmelden wird müssen.

Vor Weihnachten hatte das Management der slowakischen Fluglinie bereits gewarnt, dass der Betrieb nur bis Februar 2007 aufrechterhalten werden könne, sollten die Schulden von insgesamt 13,4 Mio. Euro nicht beglichen werden. Die Sanierung würde ohne Beteiligung der AUA nicht gehen, hieß es damals. Die Schulden sind nicht beglichen und in zwei Tagen ist Februar.

Die AUA hat der slowakischen Tochter bereits mit Jahresbeginn den Geldhahn zugedreht. Ende 2006 war erwartet worden, dass der AUA aus einer Insolvenz der Tochter ein Schaden von rund 13 Mio. Euro erwachsen würde. Diese Zahl könnte bis zu einer endgültigen Verfahrenseröffnung - sollte nicht noch eine sehr überraschende Wende eintreten - noch höher werden.

Streit um Altschulden

In dem Streit zwischen der AUA und der slowakischen Regierung geht es um Altschulden der Slovak Airlines in Höhe von rund sechs Millionen Euro. Nach Darstellung der AUA hat sich Bratislava bei der Privatisierung der Slovak Airlines im Jänner 2005 verpflichtet, die bestehenden Schulden der maroden Airline zu übernehmen.

Ein Ultimatum der AUA bis 31. Dezember 2006 zur Übernahme der Schulden ließ die Regierung in Bratislava verstreichen und auch eine Regierungssitzung am 17. Jänner brachte keine Entscheidung. Vielmehr soll nun die EU-Kommission entscheiden, ob eine Schuldenübernahme durch den Staat eine verbotene Beihilfe wäre. Die Antwort aus Brüssel wird in zwei bis drei Monaten erwartet.

Vorstandschefin muss über Insolvenz entscheiden

Die Entscheidung, ob und wann Insolvenz angemeldet wird, obliegt jetzt der Vorstandsvorsitzenden der Slovak Airlines, Christiane Böhm-Mayer. Sie war vor Jahren Lauda-Air-Finanzchefin gewesen.

Die AUA hatte im Jänner 2005 im Rahmen einer Kapitalerhöhung 62 Prozent des Aktienkapitals der Slovak Airlines erworben. Die slowakische Airline beschäftigt derzeit 100 Mitarbeiter und bediente bisher im Linienverkehr die Strecken Bratislava-Brüssel und Bratislava-Moskau. Linienpassagiere mit entsprechenden Slovak Airlines-Flugtickets würden auf AUA-Flüge von und nach Wien umgebucht, so die AUA. (APA)