Es ist manchmal wirklich eine Ungerechtigkeit mit der Freundschaft zwischen zwei Staaten. Da hat sich die rot-grüne Bundesregierung Deutschlands immer so sehr für einen EU-Beitritt der Türkei eingesetzt - und was war der Dank? Auch die Türkei wollte Murat Kurnaz nach dessen Martyrium in Guantánamo nicht, also blieb Berlin auf dieser Personalie sitzen, die sich für Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zum politischen Albtraum entwickelt hat.

Kaum jemand ist an Steinmeiers Lösungsvorschlägen zu Krisenherden in aller Welt interessiert. Er wird immer nur gefragt, wie das denn nun genau war, als Rot-Grün den jungen Mann nicht mehr haben wollte. Ob Steinmeier 2002 billigend in Kauf nahm, dass Bundesnachrichtendienst und das von Otto Schily (SPD) geführte Innenministerium für eine Einreisesperre plädierten? Oder ob er diese Pläne aktiv betrieb?

Die Zeit war eine andere damals, heißt es heute oft. Man stand noch sehr viel deutlicher unter dem Schock der Anschläge vom 11. September 2001, und Deutschland wandte damals sehr viel Energie zur Terrorbekämpfung auf. Das mag richtig sein, aber dennoch hat das Volk ein Recht, zu erfahren, ob seine Regierung auch in heiklen Situationen die richtigen Maßstäbe anlegt.

Eher zweitklassig ist auch Steinmeiers Krisenmanagement. Zuerst wollte er überhaupt kein Freilassungsangebot der USA gekannt haben, dann wurde Kurnaz doch als Sicherheitsrisiko eingestuft - was nur dann logisch erscheint, wenn man von der Möglichkeit einer Freilassung ausgegangen ist. Es ist höchste Zeit, dass Steinmeier vor dem Untersuchungsausschuss aussagt, seine Sicht der Dinge klarlegt und nicht bloß in Zeitungsinterviews häppchenweise Stellung nimmt - mit dem Hinweis, er könne vieles aus Gründen der Geheimhaltung nicht beantworten. Je früher die Causa geklärt wird, desto besser. Denn weiteres wochenlanges Rätselraten schadet nicht nur Steinmeier selbst, sondern auch der gesamten deutschen Regierung.