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TU-Rektor Peter Skalicky

Foto: APA/Schlager
Wien - Eine Art "Autoimmunerkrankung" in der Forschung ortete der Rektor der Technischen Universität (TU) Wien, Peter Skalicky, Dienstag Abend beim APA-Branchentreff zum Thema "Forschung braucht Geld - und ein bisschen mehr" in Wien. Laut Skalicky würde mittlerweile von zu vielen "Gurus" und Evaluatoren herumgestochert, zwischen denen sich die eigentlichen Forscher bereits in der Minderheit befänden.

Als Gründe für heutige strukturelle Mängel zieht Skalicky historische Gründe zu Rate. Nach einem Wissenschafter-Aderlass während des Zweiten Weltkriegs sei es in der Nachkriegszeit versäumt worden, dauerhafte Strukturen zu errichten mit dem Resultat geringer Akademikerquoten und einem niederen Stellenwert der Wissenschaft an sich. Generell sieht der TU-Rektor die Lage der Forschung in Österreich aber positiver als so mancher Kollege. Internationale Rankings im Forschungs- und Bildungsbereich (OECD, PISA, etc.), die Österreich teilweise ein schlechtes Zeugnis ausstellen, hält Skalicky für teils missverständlich erstellt, teils zu pessimistisch.

"Weisenrat"

An die neue Regierung richtete Molekularbiologe Josef Penninger, Leiter des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) den Wunsch, einen Weisenrat für die Grundlagenforschung einzurichten. Fördergelder sollten besser fokussiert und "Clusters of Excellence" forciert werden.

Einer der Schlüssel für Spitzenforschung ist für Penninger Unabhängigkeit der Wissenschafter, vor allem der jungen dieser Zunft. Nachwuchsforscher sollten über Jahre hindurch in Frieden arbeiten können. Zu einer verbesserten "Kultur der Forschung" sollte eine liberalere Erwartungshaltung in Bezug auf Forschungsergebnisse beitragen.

Forschung und Skisport

Penninger hält es für durchaus realistisch, dass Österreich in puncto Forschung weltweit ganz vorne mitspielen könnte. Eine Reputation wie beim Skifahren oder der Musik sollte auch in der Wissenschaft möglich sein. Um in Zukunft wieder einen "Mozart der Wissenschaft" hervorzubringen, bedürfe es vor allem mehr Qualität in der Ausbildung, und dies auf breiterer Basis als bisher: "Unser Bodenschatz ist die Intellektualität unserer Kinder".

Andreas Reichhardt, Forschungs-Sektionschef im Infrastrukturministerium, meinte, dass Spitzenleistungen sowohl im Skisport als auch in der Forschung nur durch optimale Rahmenbedingungen und Strukturen gewährleistet werden könnten. Diese sieht er in den Ansagen des neuen Regierungsprogramms durchaus erfüllt. Wert legte Reichhardt darauf, die Beachtung nicht nur der Spitze zu widmen, sondern in erster Linie dem Wohlstand, der Beschäftigung und einem breiten Wirtschaftswachstum.

Internationale Kooperation

FFG-Geschäftsführer Klaus Pseiner wollte in der Diskussion die internationale Perspektive stärker gewürdigt wissen. Für die FFG werde es im Europäischen Forschungsraum (European Research Area, ERA) immer wichtiger zu kooperieren anstatt sich zu lediglich zu positionieren. Durch ERA würden sektorale Ansätze nach und nach gesprengt. Als Zukunftsthemen ortet Pseiner etwa die Frage, wie in der Forschung "kontrolliert" mehr Risiko genommen werden und wie man mehr forschende Leitbetriebe nach Österreich bekommen könnte.

Als System, dessen "Intelligenz" erhöht werden müsse, möchte Peter Kowalski, Forschungs-Sektionschef Wissenschaftsministerium, die Forschungspolitik verstanden wissen. Gute Ansätze eines solchen intelligenten Systems konstatierte Kowalski dem Regierungsprogramm-Kapitel zu Forschung, Technologie und Innovation. Im Unterschied zu früheren Erklärungen seien Ziele wie die Drei-Prozent-Forschungsquote, ein angepeilter Strukturwandel oder auch der Stellenwert von Humanressourchen festgeschrieben und "mit Zahlen hinterlegt". (APA)