Berlin - Entschuldigt wie der Schauspieler (und Werber für die T-Aktie) Manfred Krug hat sich René Obermann für sein Engagement für die Deutsche Telekom (DT) noch nicht. Aber der neue Chef von Europas größtem Telekom-Konzern versprach nach der zweiten Gewinnwarnung innerhalb eines halben Jahres Besserung.

"Unser Service hält Terminvereinbarungen nicht ein", "Kunden müssen zu lang auf die Herstellung von Anschlüssen warten" oder hängen minutenlang in der Warteschleife der Service-Hotline – die von Obermann und seinem für das Festnetz (T-Com) zuständigen Vorstandskollegen Tim Höttges beim Pressekolloquium vorgetragene Mängelliste ist seit Jahren unverändert lang. Nun soll alles besser werden, schließlich sind der DT im Vorjahr weitere zwei Millionen Kunden davongelaufen.

Man werde die Kundenanschlussverluste nicht sofort stoppen können, betonte Obermann, aber dämpfen: Mit Kombi-Angeboten aus Telefon, Breitbandinternet und Mobilfunk, Tarifmodellen mit Flatrates statt Minutenabrechnung sollen abgewanderte Kunden mit neuen Angeboten und Loyalitätsprogrammen angesprochen werden.

Damit verbunden ist jede Menge Arbeit im Hintergrund. Denn die IT- und Telekomsysteme der Deutschen Telekom sind, wie die DT-Führung in seltener Offenheit eingestand, offenbar so wenig vernetzt, dass Anfragen an der Telefonhotline zu anderen Lösungen führen wie in den T-Shops, an denen Kunden nicht einmal ihre Verträge kündigen können. Die Service-Offensive kommt natürlich nicht allein aus Liebe zu den Kunden, sondern weil die DT bis 2010 4,5 Mrd. Euro einsparen will; davon heuer zwei Milliarden.

Die ehrgeizigen Wachstumsziele im Ausland fordern auch den Österreich-Ableger und die von ihm betreuten Länder in Zentral- und Osteuropa. "Mindestens um zehn Prozent", gibt der für internationale Großkunden zuständige T-Systems-Manager Axel Knobe vor. Damit sollte Personalabbau in dieser Region kein Thema sein, während T-Systems weltweit 5500 Stellen einsparen will. Die Umsätze konnte T-Systems Österreich laut Landeschef Rudolf Kemler im Vorjahr nicht nennenswert erhöhen, dafür aber die Erträge. Man habe bewusst auf Projekte mit schwacher Rentabilität verzichtet, so Kemler, der sich ebenfalls zufrieden zeigte wie sein Ober-Chef Lothar Pauly. 2005, nach dem Verkauf der Hardware-Tochter DSS mit rund 80 Mio. Euro Umsatz, hatte T-Systems Austria 158 Mio. Euro umgesetzt. (Luise Ungerboeck, Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.2.2007)