Rom - Nachdem ein Militärgericht in der norditalienischen Stadt La Spezia vor drei Wochen zehn deutsche Ex-SS-Offiziere wegen des Massakers in der Ortschaft Marzabotto im Jahr 1944 lebenslänglich verurteilt hat, stehen in Italien weitere Aufsehen erregende Prozesse bevor. Das Militärgericht von La Spezia hat die Ermittlungen über weitere drei Massaker abgeschlossen, die von SS-Soldaten im Jahr 1944 verübt worden waren.

Es handelt sich um das Blutbad in der toskanischen Ortschaft Vinca, bei dem am 24. August 1944 173 Personen getötet worden waren. Ermittlungen wurden auch über das Massaker im norditalienischen Fraghetto abgeschlossen, bei dem am 7. April 1944 33 Personen ermordet wurden, am 23. April 1944 wurden erneut 107 Zivilisten getötet. Die drei Massaker wurden als Vergeltung für Partisanen-Angriffe verübt. Die Prozesse gegen die Verantwortlichen sollen bis Ende dieses Jahres in die Wege geleitet werden, hieß es aus Justizkreisen in La Spezia am Mittwoch.

Ex-Justizminister Ofner verteidigt Angeklagten

Am 26. Februar wird die Militärstaatsanwaltschaft auch die Strafen für das Massaker von San Polo in der Nähe der toskanischen Stadt Arezzo am 14. Juli 1944 verlangen. Angeklagt sind der ehemalige österreichische SS-Unteroffizier Herbert H., der vom ehemaligen FP-Justizminister Harald Ofner verteidigt wird, und Klaus Konrad, ein ehemaliger SPD-Parlamentarier und Berater des verstorbenen deutschen SPD-Bundeskanzlers Willi Brandt. 61 Personen kamen in San Polo ums Leben.

Das Massaker war als Vergeltung für die Aktion einiger Partisanen verübt worden. Die Opfer, darunter ältere Leute und Kinder, wurden geschlagen, bevor sie erschossen wurden. Dutzende Frauen wurden vergewaltigt und die Männer gezwungen, ihr Grab selber zu schaufeln. Einige von ihnen wurden noch lebend in das Massengrab geworfen.

Über das Massaker in San Polo hatten bereits die deutschen Justizbehörden in den 60er Jahren ermittelt. Es war jedoch niemals zu einem Prozess gekommen. Im August 2003 hatte die Militärstaatsanwaltschaft in La Spezia die Ermittlungen um das Blutbad aufgenommen. (APA)