Wien - Was zum Wohle der Konsumenten dienen soll, schießt manchmal übers Ziel hinaus. Das trifft auf die berühmt-berüchtigte Gurkenkrümmungsregel der EU zu - und offenbar in Teilen auch auf die MiFID-Bestimmungen. "Sie führen bei Fondsgesellschaften zu einem zum Teil überflüssigen bürokratischen Aufwand", kritisiert Gerhard Massenbauer von Censeo Fonds. "Besonders für kleine Fondsanbieter ist das nur schwer zu bewältigen."

Viele Fragen offen So müssen Finanzdienstleister ihre Kunden künftig genau befragen, welche Art von Geldgeschäften sie bisher schon durchgeführt haben. Eine ähnliche Regelung existiert bereits, allerdings verlangt MiFID mehr Details vom Anleger. "Was aber, wenn der Kunde die Wahrheit nicht sagen will - oder sie bewusst nicht sagt? Dann muss ihm nach MiFID § 35 Absatz 5 eigentlich ein Angebot verwehrt werden. Wer es trotzdem legt, verhält sich gesetzeswidrig - und der Verdacht der Unseriosität des Anbieters liegt nahe. Und wer übernimmt die Haftung, wenn der Kunde bewusst die Unwahrheit gesagt hat?", zeigt Massenbauer die Schwächen der neuen Regelung auf. "Den Beweis muss nämlich immer der Anlageberater erbringen - hundertprozentig sicher wäre nur eine Bandaufnahme vom Beratungsgespräch; davon ist aber in der Regelung keine Rede."

"Absurd ist auch die Bestimmung, dass an den Kunden ein Eröffnungsbrief geschickt werden muss, in dem er auch bei einer Anlagesumme von fünf Millionen Euro oder mehr als Kleinanleger zu bezeichnen ist - da könnten sich viele auf den Schlips getreten fühlen", meint der Vermögensverwalter. Die Regelung, sei schwerfällig und gehe am Ziel vorbei: "Anleger sollen und müssen geschützt werden - doch auch die MiFID-Bestimmungen können keinen Anlagebetrug vereiteln. Davor ist nach wie vor niemand gefeit." Der hohe bürokratische Aufwand, den die neue Richtlinie bringt, sei für Kleine schwer zu bewältigen. "Fast könnte man den Eindruck gewinnen, sie sollen aus dem Markt gedrängt werden", sagt Massenbauer. "Ohne einen Volljuristen wird man in Zukunft nicht auskommen können - das drückt ganz ordentlich auf die Kosten." (Reinhard Krémer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.2.2007)