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Foto: APA/EPA/dpa/Stephanie Pilick
Berlin/Jerusalem/Wien - Das Berliner Holocaust-Mahnmal ist vor allem in den ersten Monaten nach der Eröffnung im Mai 2005 von vielen Touristen, Passanten und Besuchern als Toilette missbraucht worden. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas habe diese "Entwürdigung des Mahnmals der Öffentlichkeit jedoch bisher bewusst verschwiegen", schrieb die "Berliner Zeitung" dieser Tage.

Dass zwischen den Stelen des 19.000 Quadratmeter großen Areals in Mitte "massiv" uriniert worden sei, sei erst jetzt als Randnotiz eines Berichts von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) an den Bundestags-Haushaltsausschuss bekannt geworden. Neumann finanziert die Stiftung. Der Bericht räumt laut "Berliner Zeitung" ein, dass das Urinieren am nationalen Erinnerungsort von der Stiftung "nicht öffentlich problematisiert" wurde.

Zur Fußball-Weltmeisterschaft schlimmer

Das Problem sei seinerzeit nicht öffentlich gemacht worden, um zu verhindern, dass andere Besucher dem schlechten Beispiel folgen, sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Uwe Neumärker, der "Berliner Zeitung". Während der Fußball-Weltmeisterschaft sei jedoch noch einmal vermehrt zwischen den Stelen uriniert worden. Neumärker forderte, die provisorischen Holzpavillons neben dem Mahnmalsgelände nach 2008 durch feste Servicebauten mit Toiletten zu ersetzen. 2008 läuft die Genehmigung für die derzeitigen Holzbauten aus.

Mahnmal-Initiatorin Ross findet Bericht übertrieben

Die Initiatorin des Holocaust-Mahmmals, Leah Ross, meinte gegenüber der israelischen Zeitung "Yedioth Ahronoth", der Bericht der "Berliner Zeitung" sei "lächerlich und übertrieben". Hin und wieder uriniere ein Passant in der Nacht beim Mahnmal, so etwas gebe es überall auf der Welt. Sie habe oft Besucher durch das Mahnmal geführt und nie Uringeruch wahrgenommen. Auch habe es nie Beschwerden wegen Hygienemängel gegeben. Zigarettenstummel und leere Bierdosen würden weggeräumt. Es gebe auch keine Pläne, einen Zaun um das Mahnmal zu bauen.

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, kurz Holocaust-Mahnmal genannt, befindet sich im Zentrum Berlins in der Nähe des Brandenburger Tores. Der Entwurf stammt von Peter Eisenman. Auf der gewellten Grundfläche wurden 2.711 Betonquader (Stelen) in parallelen Reihen aufgestellt. Ein unterirdisches Museum (Ort der Information) ergänzt den Komplex. Es enthält unter anderem eine Liste aller Namen der bekannten jüdischen Holocaustopfer. (APA)