Moskau - Der russische Präsident Wladimir Putin hat einen iranischen Vorschlag für die Bildung eines Gaskartells nach dem Vorbild der OPEC ausdrücklich begrüßt. "Eine "Gas-OPEC" ist eine interessante Idee, über die wir nachdenken werden", sagte Putin am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz im Kreml. Vorrangiges Ziel einer solchen Kooperation sei aber nicht die Kartell-Bildung, sondern die zuverlässige Versorgung der Verbraucher, fügte der Kremlchef an.

Der iranische Religionsführer Ali Khamenei hatte der russischen Führung Ende Jänner vorgeschlagen, im Gassektor nach dem Vorbild der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) zusammenzuarbeiten. Bisher war ein solches Projekt vom Kreml abgelehnt worden. In Russland liegen 30 Prozent der bekannten Gasvorkommen der Welt. Die russische Gasförderung macht 20 Prozent der weltweiten Produktion aus. Iran hat die zweitgrößten Gasvorkommen der Welt.

Streit mit Minsk

Im Streit mit Weißrussland hatte Russland über höhere Energiepreise und Gebühren für den Transit nach Europa Anfang Jänner die Pipeline "Druschba" geschlossen. In Deutschland und anderen europäischen Länder mussten deshalb Raffinerien ihre Produktion herunterfahren. Die EU hatten sich in scharfen Worten bei der russischen Regierung beschwert, auch, weil sie von der Schließung der Pipeline vorab nicht informiert worden waren.

Putin versicherte am Donnerstag, das Russland für zuverlässigere Energielieferungen an Europa und Asien weiter alternative Transportwege für sein Gas und Öl prüfe. "Wir suchen natürlich nach direkten Lieferwegen", sagte er in Moskau. Sein Land sei auch jetzt ein zuverlässiger Energielieferant: "Russland hat seine Verpflichtungen erfüllt und will sie auch in Zukunft erfüllen", betonte der russische Präsident. Dazu strebe das Land langfristige Verträge mit europäischen Energieunternehmen an, wie der russische Energieriese Gazprom sie bereits mit dem deutschen Chemiekonzern BASF und dem italienischen Unternehmen ENI geschlossen habe.

Nach Einschätzung von Energieexperten in Moskau dürfte die Bildung eines Gaskartells im wesentlichen Auswirkungen auf den Handel mit verflüssigtem Gas (LNG) haben. Flüssiggas wird wie ein Großteil des Erdöls mit Tankschiffen zu beliebigen Zielen transportiert. Russland beliefert Europa hingegen mit Gas via Pipelines, wobei Liefermengen und Preise langfristig festgelegt sind. Der weltweit zweitgrößte Erdöl-Exporteur Russland gehört nicht zum OPEC-Kartell.

Bündelung der Interessen

Im russischen Parlament fordern Abgeordnete seit längerem, die Interessen der Erdgas fördernden Länder und der Transitländer zu bündeln, um die eigene Position gegenüber den Abnehmern zu stärken. Es sei "ganz offensichtlich, dass die EU als Käufer von jährlich 155 Mrd. Kubikmeter russischen Gases ein Verbraucherkartell darstellt", sagt der Vorsitzende des Energieausschusses der Staatsduma, Waleri Jasew.

Der Cheflobbyist der Gasbranche fordert als ersten Schritt eine gemeinsame Kontrolle der Länder der ehemaligen Sowjetunion über die Gasvorräte. Wirtschaftsexperten der NATO vermuten, Moskau könnte langfristig eine Kooperation mit dem nach Russland zweitgrößten Gasversorger Europas, Algerien, sowie mit Katar, Libyen und dem Iran eingehen. Der vom Kreml kontrollierte Gasmonopolist Gazprom hatte im Vorjahr gemeinsam mit dem Ölförderer Lukoil ein Kooperationsabkommen mit dem staatlichen algerischen Energiekonzern Sonatrach geschlossen. Vorgesehen sind der Austausch von Unternehmensbeteiligungen sowie gemeinsame Projekte auf Drittmärkten. (APA/dpa)