Wien - Offiziell will Infrastrukturminister Werner Faymann bei der angestrebten Reform der ÖBB-Reform keinen Schnellschuss vornehmen. Er werde selbstverständlich die Ergebnisse der Rechnungshofprüfung abwarten, versicherte Faymannn dem Standard.

Hinter den Kulissen ist bei dem vor drei Jahren in fünf Aktiengesellschaften und diverse GesmbH zerteilten Mobilitätskonzern das Tauziehen um Posten und Umbau freilich längst im Gang. Beobachter gehen nach wie vor davon aus, dass die Re-Reform in Richtung Personalunion geht. Heißt: Je ein Mitglied der vier operativen Vorstände rückt in die Holding auf, wodurch dieser künftig aus sechs statt zwei Mitgliedern besteht. Von dieser Maßnahme erhofft man sich einerseits eine bessere Abstimmung zwischen Bau, Betrieb, Personen- und Güterverkehr - und weniger Streit.

Viele gut dotierte Jobs

Reibungsverluste gibt es zur Genüge, das ist spätestens seit der versuchten Ablöse von Nahverkehrschefin Wilhelmine Goldmann und der Abberufung von Infrastruktur-Bau-Vorstand Alfred Zimmermann evident. Möglichkeiten für großkoalitionäre Postenbesetzungen eröffnet zudem die bis zur Vorlage der Bilanz 2006 befristete Doppelfunktion von Holding-Finanzchef Erich Söllinger als Finanzchef in Personen- und Güterverkehr.

Für so viele gut dotierte Jobs gibt es naturgemäß noch mehr Namen. So wird Gabriele Payr, Vorstandsmitglied der Wiener Stadtwerke, als Faymanns Wunschkandidatin für den Personenverkehr genannt. Sie könnte statt Goldmann in die Holding einziehen. Für die Rail Cargo Austria kursieren gleich zwei Namen: Alfred Lutschinger (Prokurist in der ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG) und, so er doch nicht in Pension geht, Gustav Poschalko.

Als ausgemacht, die für Betrieb und Erhaltung des Bahnnetzes zuständige Betrieb AG im obersten ÖBB-Board zu vertreten, gilt Peter Klugar. Er ist langjähriger Eisenbahner und, wie Poschalko und Lutschinger auch, eindeutig dem SPÖ-Lager zuzurechnen.

Als "Mister Infrastruktur" in Stellung gebracht hat sich Telekom-Festnetzvorstand Rudolf Fischer. Er hat sich bereits vor zwei Jahren um eine Führungsposition in der Bahn beworben und könnte nun Nachfolger jenes Mannes werden, den er gemeinsam mit ÖBB-Holding-Chef Martin Huber abberufen hat.

Überraschend als unsicher gilt neuerdings Söllingers Zukunft: Er könnte, spottet man in hohen Bahnkreisen, auf das "Abstellgleis Postbus" geschoben werden, wo der Platz von Paul Frey leer ist. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD Printausgabe 02.02.2007)