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Keineswegs im Schatten einer mächtigen Musiktradition: Giancarlo Menotti 2006.

Foto: APA/EPA/ANSA/Giulio Marcocchi
Monte Carlo – Im Alter von 95 Jahren ist der Komponist Giancarlo Menotti in einem monegassischen Krankenhaus gestorben, „ruhig, ohne zu leiden“, wie berichtet wird.

Der Sohn eines Importkaufmanns aus Cadegliano (Lombardei) gehörte zu den komponierenden Glückskindern des von künstlerischen Umwälzungen heimgesuchten 20. Jahrhunderts: Eine Theater-natur durch und durch, verschrieb sich Menotti früh einer gleichsam gezügelten Moderne, die den Anklang an Puccini und Verdi ebenso wenig verachtete wie den raffinierten, zumeist kammermusikalisch orchestrierten Wohllaut.

Giancarlo (gelegentlich auch: Gian Carlo) Menotti schrieb bereits 1923 seine erste Oper. Sein rasch mit Weltruhm bedachtes szenisches Œuvre stieß besonders in den USA auf begeisterten Widerhall: Der Italiener fungierte zumeist als sein eigener Librettist und schuf mit sicherer Hand mehrdeutige, sinistre Stimmungen, die wie ein fernes Echo auf Kafkas traumverrückte Welt wirkten.

In Erinnerung behalten wird man zweifellos Musiktheaterwerke wie Das Telefon (1947 in New York uraufgeführt) oder Der Konsul (1950 in Philadelphia aus der Taufe gehoben). Als Musikvermittler von vollendeter Grandezza aber rief Menotti, der 28 Jahre in den USA lebte, 1957/58 die Musik- und Theatertage im umbrischen Spoletto ins Leben – eine sozusagen ideologiefreie Begegnungsplattform, die Ableger in Amerika und Australien zeitigte.

Am Schluss soll es Menotti wiederholt bereut haben, weniger Zeit ans Komponieren als an die Programmplanung seines Festivals gewendet zu haben. 23 Opern – nebst Chorwerken, Filmmusiken, Konzerten und Klavierstücken – hat er immerhin hinterlassen. Ein paar dürften das Zeug zum Überdauern haben. (poh/ DER STANDARD, Printausgabe, 03./04.02.2007)