Seoul - Im Streit um sein Atomwaffenprogramm fordert Nordkorea nach japanischen Berichten mehr als 500.000 Tonnen Heizöl jährlich als Gegenleistung für den Stopp seines Atomreaktors in Yongbyon. Außerdem müssten die USA das Land von der "schwarzen Liste" der Länder streichen, die den Terrorismus unterstützten, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag. Kyodo berief sich dabei auf den früheren US-Außenministeriumsbeamten Joel Witt in Tokio, der in den vergangenen Tagen in Pjöngjang mit Vertretern der nordkoreanischen Regierung gesprochen habe.

Neue Sechserrunde

Es sei sehr wahrscheinlich, dass Nordkorea die gleichen Forderungen bei den Sechs-Länder-Gesprächen über sein Atomprogramm wiederholen werde, hieß es. Die nächste Sechserrunde beginnt am Donnerstag in Peking. Laut Kyodo kamen Witt und der amerikanische Nuklearexperte David Albright unter anderen mit dem nordkoreanischen Chefunterhändler für die Sechser-Gespräche, Kim Kye Gwan, zusammen.

Die japanische Zeitung "Asahi Shimbun" berichtete am Sonntag unter Berufung auf den US-Diplomaten Witt weiter, bei den Beratungen mit dem nordkoreanischen Unterhändler Kim Kye Gwan habe es Pjöngjang jedoch weiter abgelehnt, sein Atomwaffentestgelände zu schließen. Ebensowenig gebe es die Bereitschaft, dort internationale Inspektionen zuzulassen oder Einzelheiten des Atomwaffenprogramms mitzuteilen.

Vollständige nukleare Abrüstung

Der US-Unterhändler für die Sechserrunde, Christopher Hill, wollte unterdessen am Sonntag bei einem Besuch in Seoul die Berichte nicht kommentieren. Die wichtigste Aufgabe sei es, eine vollständige nukleare Abrüstung Nordkoreas zu erreichen, "nicht nur den Beginn der Denuklearisierung", sagte Hill vor einem Koordinierungstreffen mit seinem südkoreanischen Gegenüber Chung Yung Woo vor Reportern.

Hill hatte sich zuvor zu den Erfolgsaussichten für die nächsten Atomgespräche der Sechserrunde (Nord- und Südkorea, USA, China, Japan, Russland) vorsichtig optimistisch geäußert. Die USA hätten "einigen Grund zu glauben, dass wir einen Fortschritt erzielen können", sagte er am Samstag bei seiner Ankunft in Südkorea. Den bevorstehenden Gesprächen seien zahlreiche Konsultationen vorausgegangen. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob diese "bedeutsamen Unterredungen, die wir hatten, für die (Sechser-)Verhandlungen genutzt werden".

Hill äußerte die Hoffnung, die gemeinsame Erklärung vom September 2005 umsetzen zu können. Nordkorea hatte sich damals bereits grundsätzlich zum Abbau seines Atomprogramms bereit erklärt. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche Hilfe und Sicherheitsgarantien erhalten. Bei bilateralen Gesprächen im Januar in Berlin hatten die USA und Nordkorea den Weg für die Fortsetzung der Sechser-Gespräche geebnet, die zuletzt im Dezember vertagt wurden. (APA/dpa/AP)