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Riina Kionka ist Beauftragte des EU-Außenpolitikchefs für Menschenrechte.
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In der Tafelrunde von Javier Solana, die mit regionalen Krisen und neuen Aufgaben der EU über die Jahre auf ein Dutzend tapferer Ritter wuchs, ist sie der neueste Zugang: Riina Kionka vertritt den EU-Beauftragten für die gemeinsame Außenpolitik nun in Fragen der Menschenrechte.

Die 46-jährige ehemalige Botschafterin und Staatssekretärin ist damit eine der drei "Persönlichen Beauftragten" Javier Solanas - Annalisa Giannella (Maßnahmen zur Nicht-Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen) und Michael Matthiessen (Parlamentarische Angelegenheiten in Fragen der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik) sind ihre Kollegen; neun regionale "Sonderbeauftragte" hat Solana zudem um sich geschart. Vor allem aber ist Kionka Estin, weshalb sie ihre Berufung auch als "gutes Zeichen" für die zehn im Jahr 2004 beigetretenen EU-Staaten sieht.

Die Politikwissenschafterin sagte dies nicht ohne kritischen Unterton gegenüber ihrem eigenem Land. Ihre lang gereifte Doktorarbeit aus dem Jahr 2000 beschäftigte sich mit dem Einfluss von UNO, OSZE und Europarat auf die Innenpolitik des unabhängig gewordenen Estlands. Unter internationalem Druck hatte der kleine baltische Staat nach und nach seine mitunter diskriminierende Haltung gegenüber der russischen Minderheit im Land korrigiert. Auch ein in diesen Wochen verabschiedetes Gesetz des estnischen Parlaments, das den Abbau sowjetischer Denkmäler und die Umbettung sowjetischer Soldaten erlaubt, die im Zweiten Weltkrieg gefallen waren, wird wohl ein Thema für Solanas neue Menschenrechtsbeauftragte werden. Die russische Regierung legte bereits ihren Einspruch ein.

Kionka ist repräsentativ für viele junge Politiker im Baltikum, die ihre Karriere als Rückkehrer in die Heimat begannen. Die Tochter einer estnischen Emigrantin, die vor Stalin geflüchtet war, wurde 1960 in Detroit geboren und studierte an der Michigan State University Politikwissenschaften, bevor sie dann noch vor der Wende von 1989 nach Westeuropa kam. Ein Stipendium des deutschen akademischen Austauschdienstes verhalf ihr zu einem Forschungsaufenthalt in Bonn, wo sie auch Deutsch lernte - Jahre später, von 2000 bis 2004, sollte sie Botschafterin Estlands in Berlin werden.

Den Fall der Mauer und den Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa erlebte sie als Journalistin von Radio Free Europe, das zu jener Zeit noch in München angesiedelt war. Dort hatte sie Kommentare und analytische Stücke über die Lage in den baltischen Staaten verfasst.

Kionka, Mutter zweier Kinder, trat 1993 ins estnische Außenministerium ein und war erst als 25-Jährige nach Estland gereist: "Bis dahin war die Heimat meiner Mutter für mich ein Märchenland." (Markus Bernath, DER STANDARD, Printausgabe 5.2.2007)