Pristina - Die Lösung der Kosovo-Statusfrage wird die Albaner in der südserbischen Provinz nicht enttäuschen, selbst wenn die Vorschläge des UNO-Sonderbeauftragten Martti Ahtisaari noch modifiziert werden sollten. Dies sagte der US-Diplomat Frank Wisner am Montag bei einem Besuch in der Kosovo-Hauptstadt Pristina. Wisner gehört dem Verhandlungsteam Ahtisaaris an, der seinen auf eine eingeschränkte Unabhängigkeit des Kosovo hinauslaufenden Vorschlag am Freitag in Belgrad und Pristina vorgestellt hatte.

"Nicht enttäuschend für euch"

Das Dokument Ahtisaaris sei "völlig offen für Veränderungen auf Grundlage von Diskussionen", sagte Wisner bei einer Pressekonferenz in Pristina. "Ich bezweifle aber stark, dass das sehr enttäuschend für euch (die Albaner) sein wird", fügte er hinzu. Die Kosovo-Albaner sind nur bereit, eine Unabhängigkeit der Provinz zu akzeptieren, während Serbien dies unter Verweis auf die völkerrechtlich garantierte Unverletzlichkeit der Grenzen vehement ablehnt.

Wisner traf am Montag mit den Mitgliedern des kosovo-albanischen Verhandlungsteams bei den Wiener Gesprächen über die Zukunft der Provinz zusammen. Für 13. Februar hat Ahtisaari ein weiteres Treffen von Vertretern Pristinas und Belgrads in Wien anberaumt.

Athisaaris Plan

Der US-Diplomat kündigte an, in den kommenden Tagen auch nach Moskau reisen zu wollen. Russland hat angekündigt, im UNO-Sicherheitsrat nur einem Kosovo-Plan zustimmen zu wollen, der für Serbien akzeptabel ist. Als ständiges Ratsmitglied hat Russland ein Vetorecht im wichtigsten UNO-Gremium. Seine Botschaft an Moskau sei: "Wir müssen gemeinsam zu Ende bringen, was wir gemeinsam begonnen haben". Ahtisaaris Plan sei "ausgezeichnet" und verdiene es, unterstützt zu werden.

Der kosovarische Ministerpräsident Agim Ceku bezeichnete den Vorschlag von Ahtisaari als "ausgewogen". Ahtisaari habe nämlich eine Balance zwischen den Wünschen der Mehrheitsbevölkerung und jenen der serbischen Volksgruppe in der Provinz gefunden, sagte Ceku der serbischen Tageszeitung "Glas javnosti" (Montagsausgabe). "Die Zukunft des Kosovo ist nun viel klarer und sie geht in die Richtung einer vollen Unabhängigkeit, einer Unabhängigkeit mit vollen Garantien für die Minderheitenrechte". Die beiden geplanten Wiener Treffen von Vertretern Belgrads und Pristinas seien nur "technischer Natur", betonte er. Die beiden Seiten sollten dabei ihre Anmerkungen und Verbesserungswünsche austauschen, meinte er.

"Asymmetrische Dezentralisierung"

Angesprochen auf den Widerstands Russlands meinte Ceku, Moskau werde wegen des Kosovo nicht seine Beziehungen zum Westen aufs Spiel setzen wollen. Nicht alle UNO-Vetomächte seien von Ahtisaaris Vorschlag begeistert, doch handle es sich dabei "um das Projekt der UNO, das Projekt von Pristina und Belgrad, und ich denke, dass der Vorschlag äußerst ausgewogen ist". Den Serben bliebe alles, was sie einmal im Kosovo gehabt hätten und der Plan sehe Mechanismen zum Schutz der nationalen Interessen der Serben vor, betonte Ceku. Die vorgesehene "asymmetrische Dezentralisierung" gebe den mehrheitlich serbischen Gemeinden sogar mehr Rechte als den albanischen. "Unsere Hand ist ausgestreckt, aber die Serben sind noch immer nicht bereit, die Wirklichkeit zu akzeptieren. (...) Sie leben im Kosovo, aber sie denken, dass sie immer noch in Serbien leben."(APA/AFP/Tanjug)