Bild nicht mehr verfügbar.

Zwei F5-E "TIGER II" Kampfflugzeuge des Bundesheeres. Welcher "Eindringling" vergangene Woche im heimischen Luftraum gestellt wurde, ist Militärgeheimnis.

Foto: APA/Mader
Melk/Wien - "Ein ziemlich dicker Brummer in der Mitte, links und rechts daneben jeweils ein kleineres Flugzeug. Die Kleinen haben dann plötzlich abgedreht." Was Frau Annemarie S. vergangenen Mittwoch zufällig zur Mittagszeit am Himmel über dem Bezirk Melk (NÖ) beobachtet hat, war ein "Priorität-Alpha-Fall". So wird in der Fliegersprache des Bundesheeres der Einsatz von Abfangjägern genannt, um ein anonymes Luftfahrzeug zu identifizieren.

Major Michael Bauer, der Sprecher des Verteidigungsministeriums, bestätigte am Montag auf Standard-Anfrage den Alarmstart einer Abfang-Rotte aus zwei Kampfjets. Und beglückwünschte die Beobachterin zu ihrer Sehkraft: "Der Einsatz spielte sich in 11.000 Metern Höhe statt." Welches Flugzeug über Niederösterreich "abgefangen" wurde, unterliege der militärischen Geheimhaltung. Es habe sich um einen so genannten No-Radio-Contact-Einsatz gehandelt. Im Klartext: Der Pilot der Maschine hatte sich vor dem Eintritt in den heimischen Luftraum nicht wie vorgeschrieben bei Austrocontol gemeldet. Was er nach dem Auftauchen der F-5 "Tiger II" schleunigst nachholte.

70 Alarmstarts pro Jahr Jährlich werden rund 70 Alarmstarts ausgelöst. Erst vor drei Wochen war in luftiger Höh' eine unangemeldete Maschine aus Kuwait gestellt worden. "Überflieger" vergessen immer wieder darauf, einen Kontakt mit der Bodenleitstelle herzustellen. Es kommt aber auch vor, dass Piloten einfach nicht die richtige Frequenz finden und hoffen, sich über die Alpenrepublik hinwegzuschwindeln zu können.

Pro Jahr ziehen mehr als 800.000 Flugzeuge ihre Kondensstreifen über Österreich, darunter rund 15.000 Militärmaschinen. Die zivile Austrocontrol stützt sich auf passives Radar, das mit Transpondern in den Maschinen kommuniziert. Das militärische Primärradarsystem ("Goldhaube") hingegen erfasst aktiv und selbstständig alles, was fliegt. (Michael Simoner/ DER STANDARD-Printausgabe, 06.02.2007)