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Der Tatortkoffer des Grazer Juristen Hans Gross

Foto: APA/Jürgen Tremer
Graz - Der Grazer Untersuchungsrichter Hans Gross (1847 - 1915) gilt in internationalen Expertenkreisen der Verbrechensbekämpfung als "Vater der Kriminologie". Das von ihm 1912 an der Uni Graz eingerichtete erste "Kriminalmuseum" wurde erst vor wenigen Jahren wieder belebt. Mit vergrößerter Ausstellungsfläche und zahlreichen neuen Schaustücken bittet die Sammlung ab dem 26. Februar zu Abendführungen um 17.30 und 19.00 Uhr.

Hans Gross' "Handbuch für die Untersuchungsrichter" (1893) galt bis in die 1970er Jahre als Ausbildungsgrundlage beim FBI. Das von ihm initiierte Kriminologische Institut an der Universität Graz und sein dort im Jahr 1912 eingerichtetes "Kriminalmuseum" war bis zum Zweiten Weltkrieg Ziel von Besuchern aus der ganzen Welt, schildert Studienassistent Jürgen Tremer, der gemeinsam mit dem Grazer Juristen Christian Bachhiesel die neuen Ausstellungsräume gestaltet hat.

Sachbeweise

Gross war überzeugt, dass bei der Verbrechensklärung nicht nur Zeugen, sondern vor allem Dinge als Sachbeweise heranzuziehen seien. Die Ausbildung künftiger Untersuchungsrichter "am Objekt" stand daher im Zentrum seiner Bemühungen - eine zu Beginn des vorigen Jahrhunderts noch unübliche Betrachtungsweise, die sich aber rasch durchsetzen sollte.

So sorgte zu Gross' Amtszeit ein ministerieller Erlass dafür, dass alle Gerichte der Habsburger-Monarchie interessante Materialien an die Uni Graz und deren kriminologische Lehrmittelsammlung zu übersenden hatten. Im Laufe der Zeit haben sich unzählige Tatwaffen, aber auch Körperteile von Opfern, Gifte, Fälschungen, Gipsabdrücke sowie Gegenstände, die Gefangene in den damaligen Zuchthäusern herstellten, angesammelt.

Wiedereröffnung der Sammlung

Im Gedenken an den ehemaligen Professor an der juridischen Fakultät der Grazer Uni wurde vor vier Jahren die umfangreiche, teils skurrile Sammlung wieder der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die nun wieder aus dem Archiv hervorgeholten und im Keller des Uni-Hauptgebäudes neu präsentierten rund 1.500 Sammlungsstücke reichen vom Säulenstumpf, der zu einem Leichenbehälter umfunktioniert wurde, bis zu Waffen, die als Gehstöcke getarnt sind.

Das sehr stimmig gestaltete Museum wurde nun um rund das Doppelte seiner bisherigen Ausstellungsfläche auf etwa 100 Quadratmeter vergrößert. So werden jetzt auch die Geschichte der "Grazer Schule der Kriminologie", exemplarische Mordfälle, technische Gerätschaften wie Stereomikroskope für Schriftanalysen sowie historische Tatortfotos gezeigt.

Damit auch Berufstätige das Museum besuchen können, werden ab dem 26. Februar zusätzlich zur üblichen Öffnungszeit (Mo von 10.00 bis 15.00 Uhr) eine Woche lang täglich rund einstündige Abendführungen um 17.30 und 19.00 Uhr angeboten. (APA)