London - Entgegen den Erwartungen ist der britische Premierminister Tony Blair bei seinem Auftritt vor einem wichtigen Parlamentsausschuss Fragen nach der Finanzierungsaffäre seiner Labour Party entgangen. Der Regierungschef nutzte die Befragung durch die Abgeordneten stattdessen, um die Reformerfolge seiner Regierung zu preisen, wie ein AFP-Journalist am Dienstag berichtete. Dabei verteidigte Blair insbesondere seine Außenpolitik, die auf Grund der Unterstützung für den US-Einmarsch im Irak und in Afghanistan besonders umstritten ist. Eine Umfrage bescheinigte der Labour Party zugleich wachsende Zustimmung in der Bevölkerung.

Blair betonte in der Befragung vor dem Unterhaus-Ausschuss, seine Regierung habe in wichtigen außenpolitischen Fragen nicht-militärisches Vorgehen in den Mittelpunkt gestellt. "Ob es um Klimawandel, Afrikapolitik, den Friedensprozess im Nahen Osten oder um den Welthandel geht: Wir waren diplomatisch sehr aktiv", sagte der Premierminister. In einigen anderen Gebieten, wie dem Irak, Kosovo oder Afghanistan sei jedoch ein militärisches Eingreifen notwendig gewesen.

Entgegen allen Erwartungen stellten die Abgeordneten Blair keine Fragen zur umstrittenen Finanzierung seiner Labour Party. Labour hatte im vergangenen Jahr Spenden und Darlehen in Höhe von knapp 14 Millionen Pfund (rund 20 Millionen Euro) erhalten und geheim gehalten. Vier der insgesamt zwölf genannten Geldgeber waren von Blair für einen Sitz im Oberhaus vorgeschlagen worden. Die Polizei ermittelt in diesem Fall seit März vergangenen Jahres. Die Zeitung "The Times" berichtete am Dienstag, die Ermittler wollten Blairs Stabschef Jonathan Powell wegen mutmaßlicher Verschleierung der Affäre erneut befragen.

Erleichterung dürfte für Blair zudem eine Umfrage der "Times" gebracht haben, derzufolge die Finanzierungsaffäre der Labour Party offenbar nicht geschadet hat. Wenn auch 56 Prozent aller Befragten äußerten, die Affäre habe ihr Vertrauen in die Regierung verringert, stieg die Unterstützung von Labour dennoch um einen Prozentpunkt auf 33 Prozent. Die konservative Opposition musste gleichzeitig einen Rückschlag einstecken und fiel um drei Punkte auf 36 Prozent Zustimmung. (APA)