Der Mobilfunkprovider One lud am Mittwoch zu seiner Jahrespressegespräch und lieferte einen Rückblick auf 2006 und einen Ausblick auf das heurige Jahr - und sogar ein bisschen darüber hinaus.

"Neue Kunden kosten Geld"

Das Jahr 2006 präsentierte sich für One durchwachsen: einer ersten "verhaltenen Jahreshälfte", folgte eine "sehr erfolgreiche zweite". So konnte im November 2006 die "magische Kundengrenzen" von 2 Millionen überschritten werden. Laut One-CEO Jorgen Bang-Jensen setzt sich diese Summe aus 1,4 Millionen One-KundInnen, 540.000 Yesss-KundInnen und 185.000 Tele2-KundInnen zusammen. Da diese NeukundInnen- Akquirierung Geld koste, sei es einem leichten Minus bei EBIT und EBITA gekommen, das Konzernergebnis sei aber positiv abgelaufen, zudem konnte der Vorjahresumsatz (2005) von rund 627 Millionen Euro mit den 617 Millionen Euro im Jahr 2006 nahezu gehalten werden - und dies obwohl die Mobilfunkpreise im letzten Jahr um mehr als 10 Prozent gesunken seien. Der Free Cash Flow läge bei 108 Millionen Euro.

"4 zu 0"

Der erfolgreichste Tarif des Jahres kommt mit "4zu0" ebenfalls aus dem Hause One, so Bang-Jensen. Angesprochen auf die Kündigungsdrohungen gegenüber KundInnen dieses Tarifs, der WebStandard berichtete, meinte der One-CEO: "Wir haben noch keinen einzigen Kunden abgeschaltet, der ein unübliches Telefonieverhalten aufwies. Wir haben beim Start des Tarifs gewusst, dass es Probleme geben kann. Dies kommt bei neuen Tarifmodellen vor. Wenn KundInnen ein außergewöhnliches Telefonieverhalten aufweisen, dann werden sie von uns kontaktiert. Gegen eine gewerbliche missbräuchliche Verwendung werden wir vorgehen. Ich sehe 199.000 zufriedene KundInnen und wir sehen nicht ein warum diese durch das Verhalten einiger Weniger eingeschränkt werden sollen." Was nun genau unter einem Fair-Use-Prinzip zu verstehen sei, wollte man bei One nicht sagen. Die bislang bekannten Fälle sollen KundInnen betroffen haben, die rund 50 Minuten pro Tag (also 1500 Minuten im Monat) in ein fremdes Netz telefoniert haben. Bang-Jensen erklärte, dass man hier Bremsmechanismen eingeführt habe, sollte sich jedoch herausstellen, dass man bei One zu fest auf die Bremse gestiegen sei, so werde man dies ändern.

KundInnenziele

Derzeit habe One 22 Prozent Marktanteil in Österreich - daher 22 Prozent aller verkauften Sim-Karten sind von One. Bis zum Jahr 2009 wolle man 25 Prozent erreichen. "Es klingt jetzt vielleicht nicht nach viel, aber eine dreiprozentige Steigerung in Österreich ist keine leichte Aufgabe", so Bang-Jensen. Auch 2007 werde der Preisverfall am Mobilfunkmarkt weitergehen, vermutet Bang-Jensen, allerdings abgeschwächter als im Vorjahr. Zwar würden die Preise weniger sinken, aber man bekäme mehr Gesprächsminuten oder Donwloadvolumen für das gleiche Geld. "Der Boden ist noch nicht erreicht, die Kunden telefonieren immer mehr fürs gleiche Geld", so Bang-Jensen.

Mobiles Breitband

Heuer und im Jahr 2008 wird One rund 260 Millionen Euro in den Ausbau in sein HSDPA investierten. Noch in diesem Jahr sollen alle One-KundInnen in Gemeinden über 5.000 EinwohnerInnen mit HSDPA versorgt sein. Dies wird auch notwendig sein, denn One hat das erklärte Ziel das mobile Breitbandinternet auszubauen. "Wenn jetzt schon 65 Prozent aller Gespräche im Mobilfunknetz geführt werden, wer sagt, dass dies nicht auch schon bald bei der Internetnutzung ebenso sei", so der One-Chef. Vor allem wenn es Bandbreiten von 7,2 Mbit/Sekunde gibt.

iPhone

Neben dem mobilen Breitband setzt One in Zukunft auch weiter auf den Bereich Musik. "Allerdings", so Bang-Jensen, "wolle man weder Konkurrenz zu einem Label, noch selbst ein Label werden". Aus Sicht von One ist dieses Geschäftsfeld allerdings eines indem man nicht viel Gewinn lukrieren könne. Neue Endgeräte und neue Services würden diesen Markt weiter vorwärts bringen. "niemand wird wegen eines Musikhandys seinen iPod wegwerfen. Die KundInnen gehen allerdings dazu über verschiedene Geräte nebeneinander zu nutzen und je nach Anforderungen das Beste zu verwenden". Angesprochen auf das kürzlich vorgestellte Apple iPhone meint Bang-Jensen: "Dies wäre das natürliche Gerät für unsere Linie mit Musik und Breitband. das iPhone wird eine Ikone werden, so der iPod. Aber Apple wird sich einiges überlegen müssen. Der Handymarkt ist nicht mit dem MP3-Playermarkt gleichzusetzen. In Europa würde niemand 599 Euro für ein iPhone zahlen." Das iPhone sei vielmehr als Wegbereiter zu sehen. "Wenn Steve Jobs bei einer Keynote ein Gerät in die Höhe hält und sagt das ist die Revolution, dann werden die Serviceprovider hellhörig und erkennen die Möglichkeiten", so Bang-Jensen. Er rechnet damit, dass in ein, zwei Jahren eine Vielzahl ähnlicher Geräte unterschiedlicher Hersteller den Weg zu den KundInnen gefunden haben und neue Services ermöglicht werden würden.

Roaming und Gegensteuern

Auch eine kurze Auseinandersetzung mit dem Thema Roaminggebühren blieb dem One-Chef nicht erspart. Die noch etwas kryptische Antwort auf die möglichen Auswirkungen lautete: "Wir haben in vielen Bereichen, etwa in Skigebieten viel investiert, um den KundInnen hier ein entsprechendes Service zu bieten. Fallen die Einnahmen in diesem Bereich weg, so muss man sich als Unternehmen überlegen, wie man dies wettmachen kann". Auch die Terminierungsentgelte, die angeblich zu den höchsten in Europa gehören, und bei denen ebenfalls Änderungen anstehen, werden dazu führen, dass die Provider "reagieren müssten". Was immer dann auch die Reaktion sei. Es scheint allerdings ausgeschlossen, dass Handys oder auch Tarif "erheblich" teuerer würden, denn dies würden die KundInnen nicht mittragen, meint man bei One. Dafür sollen Kostenreduktionen beim Vertrieb künftig die erwarteten Umsatz- und Ergebnisausfälle durch sinkende Roaming- und Terminierungsentgelte kompensieren.

Weniger SMS

Erstmals kam es 2006 auch zu einer Trendwende im Bereich der SMS. Da die Gesprächsgebühren weiter gesunken seien und es oftmals billiger sei zu Telefonieren als eine SMS zu schicken, habe man erstmals rückläufigen SMS-Versand zu vermelden.(Gregor Kucera)